Wie Sie Medikamente während Renovierungen oder Umzügen sicher aufbewahren

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Stellen Sie sich vor: Sie packen gerade Ihre Küche aus, weil die Renovierung bald fertig ist. Plötzlich finden Sie eine alte Pillendose unter dem alten Küchentisch - vielleicht ein Schmerzmittel, das Sie vor drei Jahren bekommen haben. Oder Sie sind mitten im Umzug, und Ihre Medikamente liegen in einer geöffneten Tüte neben dem Karton mit den Tassen. Was, wenn Ihr Kind darauf stößt? Was, wenn die Hitze im Auto die Insulinampullen ruiniert? Diese Szenarien sind häufiger, als die meisten denken. Und doch gibt es kaum klare Anleitungen, wie man Medikamente während Renovierungen oder Umzügen richtig schützt.

Warum Medikamente nicht einfach in die Kiste packen

Medikamente sind keine alten Bücher oder T-Shirts. Sie sind empfindliche chemische Substanzen, die ihre Wirksamkeit verlieren, wenn sie zu heiß, zu kalt, zu feucht oder zu viel Licht abbekommen. Die meisten nicht gekühlten Medikamente müssen zwischen 15°C und 25°C gelagert werden. Das ist die Temperatur eines normalen Wohnzimmers - nicht des Dachbodens, nicht des Autos, nicht der Badezimmertür. In der Badezimmer-Schublade, wo die Luft von Duschen feucht ist, zerfallen viele Wirkstoffe schneller. Glukosestreifen geben falsche Werte, Antibiotika werden unwirksam, und Schmerzmittel können ihre Wirkung verlieren, bevor Sie sie brauchen.

Aber es geht nicht nur um die Wirksamkeit. Es geht um Sicherheit. In der Schweiz nehmen über die Hälfte der Erwachsenen regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente ein. Und in fast zwei Drittel der Haushalte werden unbenutzte oder abgelaufene Medikamente einfach in der Schublade liegen gelassen, in die Toilette gespült oder in den Müll geworfen. Während einer Renovierung oder eines Umzugs wird diese unsichere Lagerung noch gefährlicher. Kisten werden ungeordnet gestapelt, Schränke werden abgebaut, und plötzlich liegen Schmerzmittel, Schlafmittel oder Opioide wie Oxycodon in Reichweite von Kindern, Haustieren oder sogar Besuchern.

Wo lagern Sie Medikamente während der Renovierung?

Wenn Ihre Wohnung renoviert wird, ist Ihr normaler Medikamentenschrank vielleicht nicht zugänglich. Dann brauchen Sie einen Ersatz - und zwar einen sicheren. Suchen Sie sich einen Raum aus, der nicht renoviert wird: ein Schlafzimmer, das noch nicht angefasst wurde, oder ein Kellerzimmer, das trocken und kühl ist. Wichtig: Es muss abgeschlossen sein. Ein einfacher Schrank reicht nicht. Sie brauchen etwas, das Kinder nicht öffnen können: ein verschlossenes Fach, ein kleiner Tresor, oder sogar ein verschließbares Feuerschutzfach. Viele Haushalte haben solche Tresore für Waffen oder Wertgegenstände - nutzen Sie sie auch für Medikamente.

Verwenden Sie immer die Originalverpackung. Keine Umfüllung in Plastikdosen oder kleine Beutel. Die Etiketten enthalten wichtige Informationen: Name des Wirkstoffs, Dosierung, Ablaufdatum, Ihren Namen. Ohne diese Etiketten ist es für Ärzte oder Rettungsdienste unmöglich, bei einem Notfall zu wissen, was jemand eingenommen hat. Legen Sie alle Medikamente in eine einzige, klar beschriftete Box - am besten mit einem Aufkleber, der „Medikamente - Nur für den Haushaltsinhaber“ sagt.

Was tun mit gekühlten Medikamenten wie Insulin?

Insulin, bestimmte Antibiotika oder Hormonpräparate müssen zwischen 2°C und 8°C gekühlt werden. Während einer Renovierung oder eines Umzugs ist das eine echte Herausforderung. Ein Kühlschrank ist oft nicht verfügbar, oder er wird abgeschaltet. Hier ist, was Sie tun müssen:

  • Verwenden Sie eine Isolierbox mit Kühlakkus - nicht mit Eiswürfeln. Eis kann das Medikament gefrieren, und gefrorenes Insulin ist kaputt - und das sieht man nicht.
  • Prüfen Sie täglich die Temperatur mit einem kleinen Thermometer, den Sie in die Box legen. Wenn sie über 8°C steigt, ist das Medikament in Gefahr.
  • Wenn Sie mehr als einen Tag unterwegs sind: Fragen Sie Ihre Apotheke, ob sie eine Kühlbox für den Transport ausleihen. Viele tun das kostenlos.
  • Vermeiden Sie, Medikamente im Auto zu lassen - selbst im Schatten. Bei 30°C Außentemperatur kann es im Auto über 60°C werden. Das zerstört die Wirkstoffe.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Insulin noch gut ist: Werfen Sie es nicht einfach weg. Rufen Sie Ihre Apotheke an. Sie können oft prüfen, ob es noch verwendbar ist - und geben Ihnen eine neue Dosis, wenn nötig.

Eine Frau verpackt Insulin in eine isolierte Box mit Kühlakkus, digitale Sicherheitssymbole schweben um sie herum.

Wie verhindern Sie, dass Kinder oder Haustiere an Medikamente kommen?

Kinder lernen, Schubladen zu öffnen. Haustiere schnüffeln in Kisten. Und Medikamente sehen aus wie Süßigkeiten. Das ist kein Theorie-Szenario - es passiert jeden Tag. In der Schweiz gibt es jährlich Hunderte von Notfällen, weil Kinder Medikamente gefunden haben. Die meisten dieser Fälle passieren nicht im Wohnzimmer, sondern während Umzügen oder Renovierungen, wenn Dinge durcheinandergeraten.

So schützen Sie Ihre Familie:

  • Medikamente immer über der Kinderhöhe aufbewahren - mindestens 1,5 Meter hoch.
  • Keine Medikamente in Taschen, auf der Kommode oder im Nachttisch liegen lassen - auch nicht für „nur eine Stunde“.
  • Wenn Sie eine Tüte mit Medikamenten transportieren, legen Sie sie in einen verschlossenen Rucksack, nicht in eine Handtasche.
  • Informieren Sie Besucher, die während der Renovierung kommen, dass in Ihrem Haus Medikamente lagern - und dass sie nicht in Schränke greifen sollen.

Was machen Sie mit alten oder abgelaufenen Medikamenten?

Bevor Sie anfangen zu packen, räumen Sie Ihre Medikamentensammlung auf. Was ist abgelaufen? Was haben Sie nicht mehr gebraucht? Was hat Ihr Arzt abgesetzt? All das gehört nicht in den Umzugskarton.

Die beste Methode: Bringen Sie sie zur Apotheke. In der Schweiz gibt es überall Rücknahmestellen für Medikamente. Apotheken nehmen sie kostenlos an - egal ob verschreibungspflichtig oder nicht. Dort werden sie sicher verbrannt, ohne die Umwelt zu belasten. Das ist der einzige Weg, der wirklich sicher ist.

Wenn Sie keine Apotheke in der Nähe haben, oder es sich um besonders gefährliche Medikamente handelt - wie Fentanyl oder Oxycodon - dann gibt es eine Ausnahme: Diese dürfen Sie in die Toilette spülen. Ja, richtig gelesen. Die Schweizer Gesundheitsbehörden sagen: Bei diesen Medikamenten ist das Risiko einer versehentlichen Einnahme so hoch, dass das Spülen die sicherste Option ist. Alles andere ist gefährlich.

Bei allen anderen Medikamenten: Nehmen Sie sie aus der Verpackung, mischen Sie sie mit Kaffeesatz oder Katzenstreu, und geben Sie das Ganze in einen verschlossenen Plastikbeutel. Dann in den Hausmüll. So können Kinder und Tiere nicht mehr daran kommen. Und die Umwelt wird nicht mit Medikamenten belastet.

Eine Familie übergibt abgelaufene Medikamente in der Apotheke, magische Flammen verarbeiten sie sicher im Hintergrund.

Was Sie vor dem Umzug unbedingt tun müssen

Ein Umzug ist stressig. Aber diese drei Schritte sollten Sie vor dem ersten Karton machen:

  1. Medikamente auflisten: Machen Sie eine Liste: Welche Medikamente nehmen Sie ein? Welche sind abgelaufen? Welche brauchen Kühlung? Notieren Sie sich die Namen, Dosen und Ablaufdaten.
  2. Apotek kontaktieren: Rufen Sie Ihre Apotheke an. Fragen Sie: „Ich ziehe um und möchte wissen, wie ich meine Medikamente sicher transportiere.“ Sie geben Ihnen oft Tipps - und manchmal sogar eine Transportbox.
  3. Arzt konsultieren: Wenn Sie schwere Medikamente einnehmen - wie Schmerzmittel, Psychopharmaka oder Insulin - sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen sagen, ob Sie während des Umzugs eine andere Dosierung brauchen, oder ob Sie ein Ersatzpräparat brauchen.

Und vergessen Sie nicht: Nach dem Umzug - nicht erst in drei Wochen - stellen Sie Ihre Medikamente an den neuen, sicheren Ort. Einmal abgepackt, ist es leicht, sie zu vergessen. Aber sie sind nicht vergesslich. Sie wirken immer noch. Und sie können immer noch gefährlich sein.

Was tun, wenn jemand Medikamente versehentlich eingenommen hat?

Wenn Ihr Kind, Ihr Partner oder Ihr Hund ein Medikament gefunden und eingenommen hat - handeln Sie sofort. Rufen Sie nicht erst Ihren Arzt an. Rufen Sie die Notrufnummer der Schweiz: 144. Oder die Giftinformationszentrale: 0800 141 141. Die Nummer ist kostenlos und rund um die Uhr besetzt. Sagen Sie genau, was eingenommen wurde, wie viel, und wann. Bringen Sie die Verpackung mit - das rettet Leben.

Warten Sie nicht auf Symptome. Manche Medikamente wirken erst nach Stunden. Und dann ist es oft zu spät.

Kann ich Medikamente einfach in den Müll werfen?

Nein, nicht ohne Vorbereitung. Die meisten Medikamente dürfen nicht einfach in den Hausmüll. Sie müssen erst aus der Verpackung genommen, mit Kaffeesatz oder Katzenstreu vermischt und in einen verschlossenen Beutel gegeben werden. Nur bei besonders gefährlichen Medikamenten wie Fentanyl oder Oxycodon ist das Spülen in die Toilette die empfohlene Methode. Ansonsten bringen Sie sie immer zur Apotheke - das ist sicher und umweltfreundlich.

Wie lange halten Medikamente, wenn sie nicht gekühlt werden?

Das hängt vom Medikament ab. Die meisten Pillen halten sich bei Raumtemperatur (15-25°C) bis zum Ablaufdatum. Aber Hitze, Feuchtigkeit oder Licht beschleunigen den Abbau. Insulin verliert innerhalb von 24 Stunden bei über 30°C seine Wirkung. Antibiotika können unwirksam werden, wenn sie zu lange in der Sonne lagen. Wenn Sie unsicher sind: Fragen Sie Ihre Apotheke. Besser ein neues Medikament als ein unwirksames.

Sind Medikamenten-Tresore teuer?

Nein. Ein einfacher Medikamententresor mit Schlüssel kostet zwischen 30 und 80 Franken. Manche sind so klein, dass sie in eine Schublade passen. Ein verschließbares Feuerschutzfach aus dem Baumarkt reicht auch. Wichtig ist nicht der Preis, sondern die Sicherheit: Kinder und andere Personen dürfen nicht einfach hineinkommen.

Was mache ich mit Medikamenten, die ich im Ausland gekauft habe?

Auch diese gehören zur Apotheke. Die Schweiz nimmt alle Medikamente zurück - egal woher sie stammen. Legen Sie sie in eine Tüte mit der Originalverpackung, falls vorhanden, und bringen Sie sie zur Apotheke. Sie werden nicht nach dem Ursprung gefragt. Nur die Sicherheit zählt.

Darf ich Medikamente mitnehmen, wenn ich in eine andere Kanton ziehe?

Ja, aber nur, wenn sie verschreibungspflichtig sind und Sie sie legal einnehmen. Bringen Sie die Originalrezepte und die Verpackungen mit. Einige Kantone haben andere Regeln für bestimmte Medikamente - besonders Psychopharmaka oder Schmerzmittel. Fragen Sie vorher Ihre Apotheke oder Ihren Arzt, ob alles in Ordnung ist. Es ist kein Vergehen, Medikamente mitzunehmen - aber es kann gefährlich sein, wenn sie nicht richtig dokumentiert sind.

Wenn Sie diese Schritte befolgen, schützen Sie nicht nur Ihre Medikamente - Sie schützen Ihre Familie, Ihre Gesundheit und die Umwelt. Renovierungen und Umzüge sind stressig. Aber mit ein paar klugen Entscheidungen wird aus einem Risiko ein sicherer Prozess.

8 Kommentare

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    Thomas Halbeisen

    Dezember 24, 2025 AT 23:42

    Medikamente in einem Tresor? Ach komm, wer hat schon einen Tresor? Ich halt meine Pillen in der Schublade neben den Socken. Wenn mein Sohn die findet, dann hat er halt Glück. Vielleicht wird er Arzt. Oder Totengräber. Beides ist eh ein Job mit Zukunft.

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    Jean-Pierre Buttet

    Dezember 25, 2025 AT 22:19

    Die Autorin versteht das Problem, aber nicht die Menschheit. Wir leben in einer Gesellschaft, die Medikamente als Allheilmittel betrachtet - und dann wundert sich jemand, dass sie in Kisten landen. Es geht nicht um Tresore. Es geht um eine Kultur, die Verantwortung an Objekte delegiert. Wer braucht noch einen klaren Kopf, wenn es eine Pille gibt?

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    Charles Barry

    Dezember 27, 2025 AT 11:58

    Die Apotheke nimmt alles zurück? Klar. Und wer bezahlt das? Die Steuerzahler. Die Pharma-Lobby hat das System so gebaut - damit du dich nie fragst, warum du 12 verschiedene Pillen nimmst. Sie wollen, dass du alles aufbewahrst. Damit du nie aufhörst zu kaufen. Alles ist ein Geschäft. Selbst die Sicherheit.

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    Rosemary O'Shea

    Dezember 28, 2025 AT 14:34

    Ich hab neulich eine ganze Schublade mit alten Antidepressiva gefunden. 2017. Noch nie genommen. Ich hab sie in den Müll geworfen. Und dann hab ich mich gefragt: Wer hat das entschieden? Wer hat beschlossen, dass ich diese Dinger brauche? Und warum? Wer profitiert davon, wenn ich sie aufbewahre? Nicht ich. Nicht meine Familie. Nur die Konzerne.

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    Inger Quiggle

    Dezember 30, 2025 AT 02:01

    ich hab meine insulin in ner kühltasche und nen thermomter reingesteckt aber vergessen sie zu checken und die war 2 tage bei 12 grad… naja jetzt hab ich ne neue. hoffe das war kein arschloch

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    Bjørn Lie

    Dezember 31, 2025 AT 14:57

    Das ist echt wichtig. Ich hab meine Oma letztes Jahr bei der Umzugshilfe unterstützt. Sie hatte Medikamente in einer Tüte unter dem Bett. Hab sie zur Apotheke gebracht. Sie hat geweint. Nicht weil sie was verloren hat, sondern weil sie endlich jemanden hatte, der aufgepasst hat. Einfach mal hinschauen. Es zählt.

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    Jonas Askvik Bjorheim

    Januar 1, 2026 AT 20:48

    medikamente in ner box? nee ich machs lieber mit ner alten zahncremetube. geht doch. und dann schreib ich drauf mit marker. „nicht essen“. kinder sind doch nicht doof. oder? 😅

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    Petter Larsen Hellstrøm

    Januar 2, 2026 AT 00:42

    Ich hab neulich meinen Tresor für Medikamente gekauft. 45 Franken. Hat ne PIN. Meine Kinder wissen nicht, was drin ist. Meine Frau auch nicht. Aber ich hab ein Zettel im Kühlschrank: „Wenn ich nicht antworte, ruf 144 an und sag: Tresor 3-7-2-9“. Das ist kein Paranoia. Das ist Verantwortung. Und wer sagt, das ist übertrieben, der hat noch nie einen Notfall erlebt. Ich hab’s erlebt. Es ist nicht dramatisch. Es ist lebenswichtig.

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