Stellen Sie sich vor: Sie sind im Ausland, plötzlich wird Ihnen schlecht, Sie bekommen Schmerzen, oder Sie stürzen. Im Krankenhaus sitzen Sie da, können nicht erklären, was Sie einnehmen - und die Ärzte wissen nicht, was Ihnen helfen könnte. Das ist keine fiktive Szene. Es passiert Tausenden von Reisenden jedes Jahr. Und die Lösung ist einfacher, als viele denken: eine Medikamentenliste in mehreren Sprachen.
Warum eine mehrsprachige Medikamentenliste lebenswichtig ist
In Notfällen zählt jede Sekunde. Wenn Sie nicht in der Landessprache sprechen, können Sie nicht sagen, ob Sie Blutdruckmittel, Blutverdünner oder Allergie-Medikamente einnehmen. Ein falscher Tropfen, eine falsche Dosis - das kann tödlich sein. Studien zeigen: Patienten mit Sprachbarrieren erleiden bis zu 50 % mehr Medikationsfehler im Krankenhaus. In Notaufnahmen dauert die Behandlung durchschnittlich 22 Minuten länger, weil Ärzte erst herausfinden müssen, was der Patient nimmt. Das Problem ist nicht, dass Ärzte ungeschickt sind. Es ist, dass die Informationen fehlen. Viele Patienten bringen Zettel mit, aber die Übersetzungen sind ungenau, veraltet oder nur in einer Sprache. Ein Arzt in Berlin berichtete 2023, dass er drei Mal fast einen schweren Fehler gemacht hat, weil die Medikamente auf dem Zettel mit Begriffen benannt waren, die im Herkunftsland des Patienten nicht verwendet wurden. Zum Beispiel: „Aspirin“ statt „Acetylsalicylsäure“ - oder ein pflanzliches Präparat, das in der Übersetzung als „Vitamin“ bezeichnet wurde, obwohl es stark wirkt wie ein Medikament.Was muss auf Ihrer Liste stehen?
Eine gute Medikamentenliste ist kein bloßer Zettel. Sie ist ein klar strukturiertes Dokument mit genau den Informationen, die Ärzte brauchen. Hier sind die fünf unverzichtbaren Felder:- Medikamentenname: Den genauen Namen, wie er auf der Packung steht - inklusive Wirkstoff (z. B. „Ibuprofen 400 mg“ statt nur „Schmerzmittel“).
- Dosierung: Wie viel Sie einnehmen (z. B. „1 Tablette“ oder „5 ml“).
- Einnahmefrequenz: Wie oft pro Tag, Woche oder Monat (z. B. „morgens und abends“ oder „alle 48 Stunden“).
- Zweck: Wofür Sie das Medikament nehmen (z. B. „für Bluthochdruck“, „für Diabetes“, „für Allergie“).
- Ausstellender Arzt: Name und Praxisadresse Ihres behandelnden Arztes - falls jemand nachfragen muss.
Welche Sprachen sollten Sie wählen?
Es geht nicht darum, alle Sprachen der Welt zu übersetzen. Es geht darum, die Sprachen zu wählen, die für Ihre Reise relevant sind. Wenn Sie nach Spanien fliegen, brauchen Sie Spanisch. Wenn Sie nach Thailand reisen, brauchen Sie Thai. Wenn Sie in der Schweiz leben und oft nach Italien oder Frankreich fahren, brauchen Sie Italienisch und Französisch. Die besten verfügbaren Vorlagen sind in 10-12 Sprachen übersetzt, die die häufigsten Reise- und Migrationssprachen abdecken:- Englisch
- Spanisch
- Französisch
- Italienisch
- Deutsch
- Arabisch
- Russisch
- Chinesisch (vereinfacht)
- Vietnamesisch
- Türkisch
- Polnisch
- Ukrainisch
Wo finden Sie verlässliche Vorlagen?
Nicht jede Übersetzung ist gleich. Ein Zettel aus dem Internet kann falsch sein. Verwenden Sie nur vertrauenswürdige Quellen:- Tennessee Pharmacists Association (TPA): Bietet eine kostenlose, druckbare Medikamentenliste in 10 Sprachen an - mit exakt den fünf Feldern, die oben genannt wurden. Die Übersetzungen wurden von Pharmazeuten geprüft.
- NPS MedicineWise (Australien): Die App ist kostenlos und verfügbar für iOS und Android. Sie erlaubt nicht nur die Eingabe Ihrer Medikamente, sondern sendet automatisch eine Liste in mehreren Sprachen per E-Mail - ideal für Reisen.
- MedlinePlus (USA): Die US-amerikanische Nationalbibliothek bietet mehrsprachige Medikamenteninformationen in über 40 Sprachen an. Die Seiten sind einfach zu nutzen und werden regelmäßig aktualisiert.
- Britisches Rotes Kreuz: Ihr Notfall-Phrasebook enthält nicht nur Medikamentenbegriffe, sondern auch Sätze wie „Ich habe eine Allergie gegen Penicillin“ oder „Ich nehme Blutverdünner“. Sehr nützlich für den ersten Kontakt mit Krankenhauspersonal.
Wie nutzen Sie die Liste im Notfall?
Eine Liste, die in Ihrer Tasche liegt, aber niemand sieht, ist nutzlos. Hier ist, wie Sie sie effektiv einsetzen:- Tragen Sie sie physisch: Legen Sie eine ausgedruckte Version in Ihren Reisepass, Ihre Geldbörse oder einen kleinen Etui-Ordner, den Sie immer bei sich haben. Machen Sie zwei Exemplare - eins für Ihre Tasche, eins für Ihren Koffer.
- Speichern Sie sie digital: Nehmen Sie ein Foto der Liste auf Ihr Handy. Speichern Sie es als „Medikamente-Notfall“ in Ihrer Galerie. Teilen Sie es mit einer vertrauenswürdigen Person zu Hause.
- Teilen Sie es vor der Reise: Geben Sie eine Kopie an Ihre Begleitung, Ihre Familie oder Ihren Reiseleiter. Sagen Sie: „Wenn ich nicht mehr sprechen kann, zeig ihnen das.“
- Verwenden Sie die App, wenn Sie sie haben: Die MedicineWise-App kann Ihre Liste per QR-Code teilen. Ein Arzt scannt ihn mit seinem Handy - und sieht sofort Ihre Medikamente in der richtigen Sprache.
Was Sie vermeiden müssen
Viele Menschen machen diese Fehler - und sie sind gefährlich:- Verwenden Sie Google Translate: Es übersetzt „Aspirin“ als „Aspirin“, aber „Tabletten“ als „Pillen“ - und das klingt für Ärzte in manchen Ländern wie ein „Drogenmittel“. Es übersetzt auch „Blutverdünner“ als „Blut verdünnen“ - ein Satz, der keinen Sinn ergibt.
- Verwenden Sie keine abgekürzten Namen: „BP-Med“ für Blutdruckmedikament? Ein Arzt versteht das nicht. Schreiben Sie „Losartan 50 mg“.
- Ignorieren Sie pflanzliche Mittel: „Ich nehme nur Kräuter“ - das ist ein rotes Signal. Ärzte wissen nicht, was das bedeutet. Schreiben Sie: „Mariendistel-Extrakt 150 mg, täglich 1 Kapsel“.
- Vertrauen Sie nur auf Ihr Gedächtnis: Im Stress vergessen Sie alles. Selbst wenn Sie 20 Jahre lang dieselben Medikamente nehmen - im Notfall zählt nur das Papier.
Ein echter Fall: Wie eine Liste ein Leben rettete
Im Januar 2023 wurde eine 72-jährige Frau aus der Türkei in Zürich ins Krankenhaus gebracht, nachdem sie bewusstlos zusammengebrochen war. Sie sprach kein Deutsch. Die Ärzte fanden keine Medikamentenliste. Sie vermuteten eine Überdosis - und gaben ihr ein Gegenmittel, das sie nicht brauchte. Erst als ihre Tochter eine ausgedruckte Liste in Türkisch und Englisch fand, erkannten die Ärzte: Sie nahm kein Schmerzmittel, sondern ein Herzmedikament, das bei niedrigem Blutdruck gefährlich ist. Die Behandlung wurde sofort geändert. Sie überlebte. Die Liste war nicht perfekt - aber sie war da. Und sie war richtig.Was kommt als Nächstes?
In den nächsten Jahren werden Medikamentenlisten noch intelligenter. Die US-amerikanische Nationalbibliothek testet seit 2024 KI-Tools, die nicht nur übersetzen, sondern auch kulturell anpassen: Wenn jemand aus dem Nahen Osten sagt „Ich nehme Zwiebeln gegen Bluthochdruck“, erkennt die KI, dass es sich um ein traditionelles Mittel handelt - und fügt es als „Zwiebelextrakt“ hinzu, mit einer Warnung. Aber bis diese Technologie überall verfügbar ist, brauchen wir Sie. Sie brauchen keine App. Sie brauchen kein teures Gerät. Sie brauchen nur: eine Liste. In Ihrer Sprache. In der Sprache Ihres Reiseziels. Und Sie müssen sie mitnehmen.Warum kann ich nicht einfach Google Translate verwenden?
Google Translate übersetzt Wörter, aber nicht medizinische Kontexte. Es versteht nicht, dass „Blutverdünner“ auf Deutsch und Englisch gleich ist, aber in manchen Sprachen als „Blut verdünnen“ falsch übersetzt wird - was für Ärzte keinen Sinn ergibt. Auch Begriffe wie „Tabletten“ oder „Tropfen“ werden oft ungenau übersetzt. Medizinische Übersetzungen müssen von Fachleuten geprüft werden. Verwenden Sie stattdessen Vorlagen von vertrauenswürdigen Quellen wie der Tennessee Pharmacists Association oder MedlinePlus.
Reicht es, wenn ich nur Englisch habe?
Nein. Englisch ist zwar international verbreitet, aber nicht in allen Notaufnahmen. In vielen Ländern - wie Spanien, Italien, Polen oder der Türkei - sprechen Krankenhausmitarbeiter oft nur ihre Landessprache. Selbst wenn ein Arzt Englisch kann, ist er unter Stress und hat keine Zeit, eine unklare Aussage zu entschlüsseln. Eine Liste in der lokalen Sprache beschleunigt die Diagnose und verhindert Fehler.
Was mache ich, wenn mein Medikament nicht in der Vorlage steht?
Schreiben Sie es manuell dazu. Nutzen Sie die Vorlage als Grundgerüst, aber ergänzen Sie alle Medikamente, die nicht enthalten sind - besonders pflanzliche Mittel, Vitamine oder Nahrungsergänzungen. Verwenden Sie den Wirkstoffnamen (z. B. „Melatonin“ statt „Schlafmittel“) und die genaue Dosierung. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie Ihren Apotheker - er kann Ihnen helfen, den richtigen Begriff zu finden.
Kann ich die Liste auf meinem Handy speichern?
Ja, aber nicht nur als PDF oder Bild. Speichern Sie sie als Foto in Ihrer Galerie mit einem klaren Namen wie „Medikamente-Notfall“. Nutzen Sie auch Apps wie MedicineWise, die automatisch in mehreren Sprachen exportieren. Aber vergessen Sie nicht: Im Notfall kann Ihr Handy leer sein, kaputt oder gesperrt. Eine ausgedruckte Kopie ist immer die sicherste Option.
Wie oft sollte ich die Liste aktualisieren?
Nach jedem Arztbesuch, jeder Medikamentenänderung oder jeder Dosisanpassung. Selbst wenn Sie nur eine Tablette hinzufügen oder streichen - ändern Sie die Liste sofort. Die meisten Medikationsfehler passieren nicht, weil die Liste falsch ist, sondern weil sie veraltet ist. Machen Sie es zur Gewohnheit: Nach jeder Untersuchung die Liste prüfen und aktualisieren.
Gibt es eine App, die ich für alle Sprachen nutzen kann?
Ja, die MedicineWise-App (iOS und Android) unterstützt 11 Sprachen und erlaubt es Ihnen, Ihre Liste in einer Sprache einzugeben und sie dann automatisch in anderen Sprachen zu exportieren. Sie bietet auch Erinnerungen für die Einnahme und kann die Liste per E-Mail oder QR-Code teilen. Andere Apps wie Medisafe oder MyTherapy bieten ähnliche Funktionen, aber nicht immer in so vielen Sprachen. Prüfen Sie vor der Nutzung, welche Sprachen unterstützt werden.
Geschrieben von Fenja Berwald
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