Was sind bevorzugte Generika-Listen und warum existieren sie?
Bevorzugte Generika-Listen sind kein Zufall, sondern ein strategisches Werkzeug, das Krankenversicherungen nutzen, um Kosten zu senken - ohne die medizinische Wirksamkeit zu opfern. Diese Listen, auch als Preferred Drug Lists (PDLs) bekannt, ordnen verschreibungspflichtige Medikamente in Staffeln ein, wobei die günstigsten Generika in der ersten Stufe stehen. Die Idee ist einfach: Wenn ein Medikament in seiner Wirkung genau wie ein teurer Markenwirkstoff funktioniert, aber nur 10 bis 20 Prozent des Preises kostet, warum dann nicht das günstigere wählen?
Die FDA bestätigt: Generika kosten im Durchschnitt 80 bis 85 Prozent weniger als ihre Marken-Vorbilder. Bei Medikamenten, für die sechs oder mehr Generika auf dem Markt sind, sinken die Preise sogar um bis zu 95 Prozent. Das ist kein kleiner Unterschied - das sind Tausende von Dollar pro Patient pro Jahr. Versicherer nutzen diese Preisspanne gezielt, um ihre Ausgaben zu kontrollieren. Und das funktioniert: In den USA sind 100 Prozent der Medicare-Teil-D-Pläne und 98 Prozent der privaten Versicherungspläne mit solchen Staffel-Listen ausgestattet.
Wie funktioniert die Staffelung von Medikamenten?
Die meisten Versicherungsformulare haben drei bis fünf Staffeln. Jede Staffel bestimmt, wie viel der Patient selbst zahlen muss - und das ist der Knackpunkt.
- Staffel 1: Nur bevorzugte Generika. Hier zahlt man typischerweise 5 bis 15 Dollar für eine 30-Tage-Portion. Das sind Medikamente wie Atorvastatin (für Cholesterin), Lisinopril (für Bluthochdruck) oder Metformin (für Diabetes).
- Staffel 2: Markenmedikamente, die die Versicherung akzeptiert - oder teurere Generika. Die Selbstbeteiligung liegt bei 25 bis 50 Dollar.
- Staffel 3: Nicht-bevorzugte Markenmedikamente. Hier zahlt man 50 bis 100 Dollar - und oft noch mehr, wenn die Versicherung eine Prozentsatz-Beteiligung (Coinsurance) verlangt.
- Staffel 4: Spezialmedikamente, wie Biologika für Krebs oder Autoimmunerkrankungen. Hier kann der Eigenanteil über 100 Dollar liegen - oder sogar 30 Prozent des Gesamtpreises betragen.
Das System ist clever gestaltet: Je teurer das Medikament, desto höher die Selbstbeteiligung. Dadurch wird der Patient sanft dazu gedrängt, das billigste, aber gleich wirksame Medikament zu wählen. Und das funktioniert: 90 Prozent aller verschriebenen Medikamente in den USA sind Generika - aber sie machen nur 23 Prozent der Gesamtausgaben aus.
Warum bevorzugen Versicherer Generika - und nicht einfach alles?
Nicht alle Generika sind gleich. Versicherer wählen nicht willkürlich aus. Sie arbeiten mit Pharmacy Benefit Managern (PBMs) zusammen - das sind große Dienstleister wie CVS Health, OptumRx oder Evernorth -, die mit Pharmaunternehmen verhandeln.
Die PBMs bekommen Rabatte von 25 bis 30 Prozent auf Markenmedikamente. Aber bei Generika ist es anders: Hier verhandeln sie direkt mit Herstellern, oft über langfristige Lieferverträge. Das bringt noch größere Einsparungen. Ein Beispiel: Ein Markenmedikament kostet 349 Dollar, das Generikum 197 Dollar - aber wenn beide in derselben Staffel stehen, zahlt der Patient oft nur 23 bis 26 Dollar, weil die Versicherung eine feste Selbstbeteiligung festlegt. Die Differenz im Listenpreis bleibt also meist im System, nicht beim Patienten.
Und dann gibt es noch die Biologika - teure Medikamente, die aus lebenden Zellen hergestellt werden. Hier gibt es neue Alternativen: Biosimilare. Die sind günstiger, aber nicht gleich einfach zu implementieren. Warum? Weil die Hersteller von Marken-Biologika wie Humira Co-Pay-Karten anbieten, die den Patienten bis zu 10.000 Dollar pro Jahr sparen. Biosimilare-Hersteller tun das nicht. Also: Obwohl Amjevita (das Biosimilar zu Humira) nur 850 Dollar kostet - statt 1.200 Dollar -, zahlt der Patient manchmal mehr, weil er die Co-Pay-Karte verliert. Das ist ein echter Widerspruch im System.
Was ist mit Ärzten und Patienten? Wer entscheidet wirklich?
Ärzte kennen ihre Patienten. Aber sie müssen sich an die Formulare halten - oder einen langwierigen Antrag stellen. Die Versicherer sagen: „Wir lassen Ausnahmen zu, wenn der Arzt nachweist, dass das Generikum nicht passt.“ Doch in der Praxis ist das schwer.
Die American Medical Association berichtet, dass 42 Prozent der Ärzte bei chronischen Schmerzen Verzögerungen erleben, weil die Versicherung erst ein Generikum „ausprobieren“ will - das nennt man „Step Therapy“. Ein Patient mit rheumatoider Arthritis muss erst drei Generika durchprobieren, bevor er ein Biologikum bekommt. Das kann Monate dauern. Und währenddessen leidet er.
Einige Ärzte schreiben „Dispense as Written“ auf das Rezept - also: „Nicht ersetzen!“ Aber nur 37 Prozent der Patienten wissen, dass sie das verlangen können. Und selbst dann: In 89 Prozent der Bundesstaaten dürfen Apotheker Generika automatisch einreichen, wenn nichts anderes steht. Der Patient merkt oft gar nicht, dass er ein anderes Medikament bekommt - bis er Nebenwirkungen hat oder der Wirkstoff nicht wirkt.
Und dann gibt es noch die „Accumulator Adjuster“-Programme. Das ist ein Trick: Wenn ein Patient ein Biosimilar nimmt, zählt der Rabatt vom Hersteller nicht mehr zur jährlichen Ausgabenobergrenze. Das bedeutet: Der Patient erreicht seine Obergrenze später - und zahlt länger selbst. Das macht die „Ersparnis“ der Versicherung zur Kostenfalle für den Patienten.
Was bedeutet das für Patienten in der Praxis?
Die meisten Patienten sparen Geld - aber viele geraten in eine Falle.
Reddit-Nutzer u/PharmaSaver99 berichtet: „Ich zahlte 187 Dollar für Levothyroxin. Nach dem Wechsel zum Generikum: 12 Dollar. Ich dachte, das ist ein Traum.“
Aber u/BiologicPatient schreibt: „Ich zahle 850 Dollar für Amjevita - das Biosimilar zu Humira. Vorher zahlte ich 1.200 für Humira. Aber jetzt bekomme ich keine Co-Pay-Karte mehr. Ich zahle immer noch 850 - und das ist mehr, als ich vorher mit der Karte gezahlt habe.“
GoodRx hat 15.000 Patienten befragt: 76 Prozent finden die niedrigen Kosten gut. Aber 63 Prozent mussten schon einen Antrag stellen, weil ihr Arzt ein Markenmedikament wollte - und die Versicherung es ablehnte. 58 Prozent der Medicare-Teil-D-Nutzer können nicht einmal sagen, in welcher Staffel ihr Medikament steht. Das führt zu unerwarteten Rechnungen - und Stress.
Was ändert sich 2025? Die Zukunft der Generika-Listen
Es gibt Veränderungen - und die sind groß.
Ab 2025 müssen Medicare-Teil-D-Pläne Biosimilare in dieselbe Staffel stellen wie das Original-Biologikum. Das ist ein großer Schritt. Bisher waren Biosimilare oft in Staffel 3 oder 4 - teurer als das Original. Das ändert sich. Experten erwarten, dass die Nutzung von Biosimilaren von 15 auf 45 Prozent steigt.
Und: Die Inflation Reduction Act von 2022 führt ab 2025 eine jährliche Ausgabenobergrenze von 2.000 Dollar für Medikamente ein. Das zwingt Versicherer, noch mehr auf Generika zu setzen - sonst zahlen sie selbst mehr.
Einige Versicherer wie UnitedHealthcare testen bereits „Wert-basierte Formulare“. Das bedeutet: Medikamente werden nicht mehr nur nach Preis, sondern nach tatsächlicher Wirksamkeit im Alltag bewertet. Wenn ein Generikum bei 80 Prozent der Patienten gut funktioniert, bleibt es in Staffel 1. Wenn es bei 40 Prozent zu Problemen führt, rutscht es runter. Das ist ein Paradigmenwechsel: von Kosten- zu Ergebnis-Steuerung.
Dennoch: Die Industrie wehrt sich. 63 Prozent der PBMs setzen noch immer „Accumulator Adjuster“ ein - und verhindern so, dass Patienten wirklich von den Einsparungen profitieren.
Was können Patienten tun?
Passivität kostet Geld. Aktivität spart es.
- Prüfen Sie jedes Jahr Ihre Formular-Liste - besonders während der jährlichen Anmeldung. Ein Medikament, das letztes Jahr in Staffel 1 war, könnte dieses Jahr in Staffel 3 sein.
- Fragen Sie Ihren Apotheker: „Ist ein Generikum verfügbar? Kann ich es bekommen?“ In 89 Prozent der Bundesstaaten darf er es automatisch einreichen - wenn Sie nicht „Dispense as Written“ verlangen.
- Verlangen Sie eine Ausnahme, wenn das Generikum nicht wirkt. 68 Prozent der Anträge werden genehmigt - wenn der Arzt einen klaren medizinischen Grund nennt.
- Suchen Sie nach Co-Pay-Karten - aber achten Sie darauf, ob sie bei Biosimilaren gelten. Manchmal lohnt sich das Markenmedikament trotz höherem Preis, wenn die Karte den Eigenanteil auf 0 Dollar senkt.
- Verwenden Sie Tools wie GoodRx oder Medicare’s Plan Finder. Die Medicare-Website hat eine 4,2 von 5-Punkte-Bewertung - private Pläne kommen auf 2,8. Nutzen Sie das Beste.
Wer 45 Minuten pro Jahr investiert, spart durchschnittlich 32 Prozent an Medikamentenkosten. Das sind 417 Dollar pro Medikament - pro Jahr. Das ist kein Kleingeld. Das ist die Differenz zwischen einem Medikament, das man nehmen kann - und einem, das man nicht mehr leisten kann.
Geschrieben von Fenja Berwald
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