Wenn Ihr Arzt Ihnen ein Generikum verschreibt, denken Sie dann sofort: Generika wirken nicht so gut wie die teuren Markenmedikamente? Sie sind nicht allein. Viele Patienten in der Schweiz und weltweit haben diese Bedenken - trotz wissenschaftlicher Beweise, die das Gegenteil zeigen.
Was ist ein Generikum wirklich?
Ein Generikum ist kein billiger Ersatz. Es ist dasselbe Medikament - mit derselben aktiven Substanz, in derselben Menge, in derselben Form. Wenn Ihr Arzt Ihnen zum Beispiel Atorvastatin verschreibt, dann ist das der Wirkstoff, der auch in Lipitor enthalten ist. Der Unterschied liegt nur in den Beilagen: Farbe, Form, Geschmack oder Füllstoffe. Diese sind nicht wirksam, aber sie machen das Pillchen anders aussehen. Die Schweizer Medikamentenbehörde Swissmedic und die US-amerikanische FDA verlangen, dass Generika innerhalb von 80-125 % der Wirkkonzentration des Originalmedikaments liegen. Das bedeutet: Sie bekommen genau die gleiche Wirkung - nur zu einem Bruchteil des Preises.Ein Generikum kostet im Durchschnitt 80-85 % weniger. Während ein Markenmedikament wie Lipitor 674 CHF pro Rezept kosten kann, liegt der Preis für Atorvastatin bei etwa 15 CHF. Das ist kein Zufall. Die Hersteller von Generika müssen keine neuen klinischen Studien durchführen. Sie müssen nur beweisen, dass ihr Produkt genauso gut vom Körper aufgenommen wird wie das Original. Das spart Zeit, Geld - und macht Medikamente für alle bezahlbar.
Warum zögern Patienten, Generika zu nehmen?
Es gibt drei Hauptgründe, warum Menschen Generika ablehnen - und alle basieren auf Irrglauben, nicht auf Fakten. Erstens: „Billiger = schlechter“. 68 % der Patienten glauben, dass ein günstigeres Medikament auch weniger wirksam ist. Das ist eine mentale Abkürzung, die unser Gehirn macht - aber sie stimmt nicht. Ein Generikum wird nicht billiger, weil es schlechter ist. Es ist billiger, weil die Forschungskosten schon vom Originalhersteller getragen wurden. Zweitens: „Wer macht das eigentlich?“. Viele denken, Generika kämen aus unsicheren Fabriken im Ausland. Doch Swissmedic und die FDA kontrollieren alle Produktionsstätten - egal wo sie liegen. 98,7 % der Generika-Fabriken bestehen die jährlichen Inspektionen. Die gleichen Regeln gelten für Marken- und Generikahersteller. Wenn ein Werk nicht den strengen GMP-Standards (Good Manufacturing Practices) entspricht, wird es sofort geschlossen. Drittens: „Ich habe mal eine andere Pille genommen und mich schlecht gefühlt.“. Das ist verständlich. Aber oft liegt es nicht am Wirkstoff, sondern an den Hilfsstoffen. Einige Patienten reagieren empfindlich auf Farbstoffe, Laktose oder Konservierungsstoffe. Das passiert selten - nur bei 0,8 % der Fälle - und kann leicht behoben werden. Ihr Apotheker kann Ihnen ein Generikum mit anderen Hilfsstoffen verschreiben. Es gibt oft mehrere Marken mit demselben Wirkstoff - einfach fragen.Was sagen Wissenschaftler dazu?
Eine Studie der JAMA Internal Medicine aus dem Jahr 2020 analysierte 47 klinische Studien zu Herzmedikamenten. Das Ergebnis: Kein signifikanter Unterschied in der Wirksamkeit zwischen Generika und Markenprodukten. Die Patienten hatten genauso wenig Herzinfarkte, genauso gute Blutdruckwerte - und zahlten 2.847 CHF weniger pro Jahr. Dr. Janet Woodcock, ehemalige stellvertretende Direktorin der FDA, sagte 2022 vor dem US-Senat: „Generika müssen die gleiche Qualität, Stärke, Reinheit und Stabilität haben wie das Original. Das wird durch wissenschaftlich fundierte Tests bewiesen.“ Und die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Patienten, die Generika einnehmen, halten sich 8-12 % besser an ihre Therapie. Warum? Weil sie das Medikament nicht absetzen, weil es ihnen zu teuer ist. Bei chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion ist das entscheidend. Wer seine Medikamente nicht regelmäßig nimmt, landet früher im Krankenhaus - und das kostet uns alle Geld.
Wann sind Generika nicht geeignet?
Es gibt Ausnahmen - aber sie sind selten. Bei Medikamenten mit engem Wirkstofffenster, wie Levothyroxin (für die Schilddrüse), warnt die FDA: Selbst kleinste Unterschiede in der Aufnahme können Auswirkungen haben. Deshalb verlangt Swissmedic hier strengere Prüfungen: Die Bioäquivalenz muss zwischen 90 und 110 % liegen, nicht 80-125 %. Wenn Sie Levothyroxin einnehmen, wechseln Sie nicht einfach zwischen Marken und Generika, ohne Ihren Arzt zu fragen. Aber: Auch hier wirken alle zugelassenen Generika korrekt - wenn sie von der gleichen Marke kommen. Andere komplexe Medikamente wie Inhalatoren oder Salben sind schwieriger zu kopieren. Hier gibt es weniger Generika, und manchmal merken Patienten Unterschiede in der Anwendung. Das liegt aber nicht am Wirkstoff, sondern an der Technik - wie man den Inhalator hält oder die Creme aufträgt. In diesen Fällen hilft eine kurze Schulung vom Apotheker.Wie sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber?
Sie müssen nicht warten, bis Ihr Arzt das Thema anspricht. Sie können es selbst starten - und es ist einfacher, als Sie denken. Versuchen Sie diesen einfachen Satz: „Ich habe gehört, dass es ein günstigeres Generikum gibt. Funktioniert das genauso gut wie das Original?“ Das öffnet das Gespräch. Ihr Arzt wird nicht verärgert sein - im Gegenteil. Die Schweizer Ärzteschaft ermutigt genau diese Art von Fragen. Ein guter Arzt wird Ihnen erklären, warum er ein bestimmtes Medikament verschreibt - und ob ein Generikum in Ihrem Fall eine gute Option ist. Nutzen Sie die „Fragen-Erklären-Fragen“-Methode:- Fragen: „Was wissen Sie über Generika?“ - Hören Sie zu, was Sie denken.
- Erklären: „Hier ist, was wirklich passiert: Der Wirkstoff ist identisch. Die FDA und Swissmedic prüfen das genau.“
- Fragen: „Können Sie mir sagen, wie Sie das Medikament einnehmen werden?“ - So prüfen Sie, ob Sie es verstanden haben.
Diese drei Minuten pro Besuch reduzieren Medikationsfehler um 37 %. Und sie machen Sie sicherer - und sparen Geld.
Was tun, wenn Sie Nebenwirkungen haben?
Wenn Sie nach dem Wechsel zu einem Generikum plötzlich Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit verspüren: Notieren Sie es. Rufen Sie Ihren Arzt oder Apotheker an. Aber machen Sie nicht automatisch den Markenhersteller schuldig. Häufig ist es nur ein Hilfsstoff - zum Beispiel Laktose, wenn Sie empfindlich sind. Oder eine andere Formulierung, die Ihr Körper nicht so gut verträgt. Ihr Apotheker kann Ihnen ein anderes Generikum mit anderen Zusatzstoffen geben. Oder er kann Ihnen ein anderes Originalmedikament empfehlen - wenn es medizinisch nötig ist. Wichtig: Melden Sie Nebenwirkungen immer. Das hilft nicht nur Ihnen - es hilft anderen Patienten, die vielleicht ähnliche Erfahrungen machen.
Wie viel Geld sparen Sie wirklich?
Stellen Sie sich vor: Sie nehmen ein Medikament für Bluthochdruck - 30 Tage lang. Das Original kostet 60 CHF. Das Generikum: 8 CHF. Das sind 52 CHF pro Monat. Über ein Jahr: 624 CHF. In zehn Jahren: über 6.000 CHF. Das ist kein kleiner Betrag - das ist eine Menge Geld, das Sie für andere Dinge nutzen können: für Bewegung, für gesunde Ernährung, für eine Reise. Und das gilt nicht nur für Sie. Wenn mehr Patienten Generika nehmen, sinken die Kosten für die gesamte Krankenversicherung. Das bedeutet: Weniger Beiträge für alle - und mehr Mittel für andere medizinische Leistungen.Was kommt als Nächstes?
Die Schweiz und andere Länder arbeiten daran, Patienten noch besser zu informieren. Bald könnten Rezepte QR-Codes enthalten, die Sie direkt zu kurzen Videos führen - erklärt von Apothekern, in einfachem Deutsch. Die FDA testet bereits einen Chatbot, der Fragen zu Generika beantwortet. Und in der Schweiz wird die Aufklärung in Apotheken immer systematischer. Die neue Gesetzgebung, die ab 2025 Generika in der Krankenversicherung mit 0 Franken Selbstbehalt ermöglicht, wird diesen Trend weiter beschleunigen. Es wird immer einfacher, das richtige und günstigere Medikament zu wählen - wenn man weiß, wie.Was Sie jetzt tun können
Sie brauchen keine Expertin zu sein, um über Generika zu sprechen. Hier sind drei einfache Schritte:- Prüfen Sie Ihre Rezepte: Sind alle Ihre Medikamente Markenprodukte? Fragen Sie, ob ein Generikum möglich ist.
- Reden Sie mit Ihrem Apotheker: Er ist der Experte für Medikamente - nicht nur für die Abgabe. Fragen Sie: „Welche Generika gibt es dafür? Und ist das für mich sicher?“
- Vertrauen Sie den Zahlen, nicht dem Gefühl: 79 % der Patienten, die auf Generika umgestiegen sind, sagen: „Ich habe keinen Unterschied gespürt.“
Ein Generikum ist nicht weniger wert. Es ist nur anders verpackt. Und es macht Sie nicht arm - es macht Sie frei: frei von unnötigen Kosten, frei von Angst, frei von der Illusion, dass teurer besser ist.
Wirken Generika genauso gut wie Markenmedikamente?
Ja. Generika enthalten denselben Wirkstoff in derselben Menge und wirken genauso wie das Original. Die Schweizer Medikamentenbehörde Swissmedic und die FDA prüfen sie streng auf Bioäquivalenz - also darauf, ob der Körper den Wirkstoff genauso aufnimmt. Studien zeigen keinen Unterschied in der Wirksamkeit bei Herzmedikamenten, Blutzuckersenkern oder Blutdruckmitteln.
Warum sehen Generika anders aus?
Die Farbe, Form oder das Etikett ändern sich, weil die Hersteller andere Hilfsstoffe verwenden - zum Beispiel Farbstoffe oder Füllstoffe. Diese haben keinen Einfluss auf die Wirkung. Sie dienen nur dazu, das Medikament herzustellen, zu stabilisieren oder zu erkennen. Die aktive Substanz bleibt identisch.
Können Hilfsstoffe in Generika Nebenwirkungen verursachen?
Sehr selten. Nur etwa 0,8 % der Patienten berichten von Unverträglichkeiten - meist wegen Laktose, Farbstoffen oder Konservierungsstoffen. Wenn Sie eine Allergie oder Unverträglichkeit haben, sagen Sie es Ihrem Apotheker. Er kann ein anderes Generikum mit anderen Zusatzstoffen finden - oder Ihnen das Original empfehlen.
Sind Generika aus dem Ausland sicher?
Ja. Alle Hersteller - egal ob in der Schweiz, Deutschland, Indien oder den USA - müssen denselben strengen Qualitätsstandards entsprechen. Swissmedic und die FDA kontrollieren alle Produktionsstätten regelmäßig. 98,7 % der Fabriken bestehen die Prüfungen. Ein Werk, das nicht den Standards entspricht, wird nicht zugelassen - oder geschlossen.
Warum ist ein Generikum so viel billiger?
Weil der Hersteller nicht die hohen Kosten für die Erstentwicklung tragen muss. Der ursprüngliche Hersteller hat jahrelang geforscht, klinische Studien durchgeführt und Zulassungen beantragt. Der Generikahersteller muss nur beweisen, dass sein Produkt gleich wirkt - und das kostet viel weniger. Diese Einsparungen geben sie an Sie weiter.
Kann ich von einem Markenmedikament auf ein Generikum wechseln, ohne Risiko?
Ja - mit einer Ausnahme: Bei Medikamenten mit engem Wirkstofffenster wie Levothyroxin (Schilddrüse) oder Warfarin (Blutverdünner) sollte der Wechsel nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Hier ist die Dosierung besonders empfindlich. In allen anderen Fällen ist der Wechsel sicher und wird von Ärzten und Apothekern empfohlen.
Was tun, wenn ich nach dem Wechsel schlechter schlafe oder mich müde fühle?
Notieren Sie die Symptome und wann sie auftreten. Rufen Sie Ihren Arzt oder Apotheker an. Es könnte ein Hilfsstoff sein, der Ihnen nicht guttut - oder es ist zufällig ein anderer Grund. In 99,9 % der Fälle liegt es nicht am Wirkstoff. Aber nur wenn Sie es melden, kann man es klären - und anderen helfen.
Wird mein Arzt verärgert, wenn ich nach einem Generikum frage?
Nein. Ärzte sind darauf vorbereitet. Viele haben sogar eine Liste mit empfohlenen Generika. Fragen Sie offen: „Gibt es ein günstigeres Generikum dafür?“ Das zeigt, dass Sie sich informieren - und das schätzen gute Ärzte. Es ist Ihr Recht, über Ihre Behandlung mitzubestimmen.
Geschrieben von Fenja Berwald
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