Pankreatitis: Akut vs. Chronisch und Ernährung in der Genesung

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Was ist Pankreatitis?

Die Pankreatitis ist eine Entzündung des Pankreas, eines Organs hinter dem Magen, das Verdauungsenzyme und Hormone wie Insulin produziert. Es gibt zwei Hauptformen: akute und chronische Pankreatitis. Beide schädigen das Pankreas, aber auf völlig unterschiedliche Weise.

Bei der akuten Form kommt es plötzlich zu einer starken Entzündung, oft innerhalb von Stunden. Die meisten Patienten erholen sich innerhalb einer Woche, wenn sie richtig behandelt werden. Bei der chronischen Form dagegen wird das Pankreas über Monate oder Jahre hinweg dauerhaft geschädigt. Die Gewebe verhärten sich, es bildet sich Narbengewebe, und die Orgelfunktion nimmt langsam ab. Diese Form ist nicht heilbar - aber sie kann gesteuert werden.

Akute Pankreatitis: Plötzlich, heftig, oft behandelbar

Die akute Pankreatitis beginnt meist mit einem starken, bohrenden Schmerz im Oberbauch, der in den Rücken ausstrahlt. Über 95 % der Betroffenen spüren diesen Schmerz so intensiv, dass sie sofort ins Krankenhaus müssen. Typisch sind auch Übelkeit, Erbrechen und Fieber.

Die Ursachen sind oft klar: Gallensteine (ca. 40 % der Fälle) oder übermäßiger Alkoholkonsum (ca. 30 %). Aber in bis zu 30 % der Fälle bleibt die Ursache unklar - das nennt man idiopathische Pankreatitis. Die Diagnose stellt man mit drei Kriterien: Schmerz, erhöhte Enzymwerte (Lipase oder Amylase mindestens das Dreifache des Normalwerts) und typische Veränderungen im CT- oder MRT-Scan.

Die Schwere wird nach der Revised Atlanta-Klassifikation eingeteilt:

  • Mild: Keine Organversagen, keine Komplikationen - über 80 % der Fälle fallen hierunter.
  • Mäßig schwer: Vorübergehendes Organversagen (besser als 48 Stunden) oder lokale Komplikationen wie Flüssigkeitsansammlungen.
  • Schwer: Dauerhaftes Organversagen (länger als 48 Stunden) - hier steigt die Sterblichkeit auf bis zu 30 %.

Die wichtigste Behandlung in den ersten 24 Stunden: schnelle Flüssigkeitsgabe. Studien zeigen, dass eine aggressive Flüssigkeitszufuhr innerhalb von 24 Stunden das Risiko für Gewebestirbung um 35 % senkt. Ohne diese Maßnahme drohen Infektionen, Organversagen und sogar der Tod.

Chronische Pankreatitis: Der langsame Verfall

Die chronische Pankreatitis ist eine andere Welt. Hier geht es nicht um einen akuten Notfall, sondern um einen langsamen, unaufhaltsamen Abbau der Pankreasfunktion. Die Schmerzen sind oft nach dem Essen da - 70 % der Patienten leiden unter postprandialen Schmerzen. Im Laufe der Zeit wird der Schmerz zwar weniger, aber dafür treten andere Probleme auf: Fettstühle, Gewichtsverlust, Diabetes.

Die Ursachen sind meistens langjähriger Alkoholmissbrauch (80 % der Fälle). In 10-15 % der Fälle liegen genetische Mutationen vor, etwa in den Genen PRSS1 oder SPINK1. Rauchen ist ein weiterer Risikofaktor - wer weiter raucht, hat ein doppelt so hohes Risiko, dass die Krankheit fortschreitet. Wer aufhört, verlangsamt die Schädigung um bis zu 50 %.

Im Fortschritt der Krankheit unterscheidet man drei Phasen:

  • Frühphase: Wiederkehrende Schmerzen, aber noch keine Funktionseinschränkung.
  • Mittlere Phase: Schmerzen bleiben, aber jetzt kommt es zu einer Verdauungsstörung - das Pankreas produziert nicht mehr genug Enzyme.
  • Spätphase: Die Schmerzen werden schwächer, aber das Pankreas ist fast vollständig zerstört. Die meisten Patienten entwickeln Diabetes und ernsthafte Mangelerscheinungen.

Im Durchschnitt entwickeln 50 % der Patienten innerhalb von 12 Jahren Diabetes und 90 % innerhalb von 20 Jahren eine Exokrine Insuffizienz - das heißt, sie können Fette, Eiweiße und Vitamine nicht mehr richtig verdauen.

Patient bereitet kleine, gesunde Mahlzeiten mit Kokosöl und Enzymkapseln zu

Ernährung bei akuter Pankreatitis: Weniger ist mehr

In der akuten Phase ist die Ernährung einfach: nichts essen - zumindest zu Beginn. Der Magen-Darm-Trakt muss ruhen, damit das Pankreas nicht mehr angeregt wird. Die ersten 24-48 Stunden werden meist mit intravenöser Flüssigkeit versorgt.

Wenn der Schmerz nachlässt und die Enzymwerte sinken, beginnt man vorsichtig mit flüssiger Kost: klare Brühen, Wasser, Elektrolytlösungen. Sobald der Patient verträgt, kommen weiche, fettarme Lebensmittel wie Reis, Kartoffeln, Haferbrei oder gekochtes Gemüse hinzu.

Die Empfehlungen der American Society for Parenteral and Enteral Nutrition (ASPEN) sind klar:

  • 30-35 kcal pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag
  • 1-1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht

Frühzeitige enteraler Ernährung (über eine Sonde in den Darm) ist besser als intravenöse Ernährung. Studien zeigen: Wer innerhalb von 48 Stunden mit enteraler Ernährung beginnt, hat 30 % weniger Infektionen und kürzere Krankenhausaufenthalte.

Fette sind tabu - bis zu 20-30 Gramm pro Tag sind erlaubt, aber nur nach und nach eingeführt. Auch Zucker und künstliche Süßstoffe sollten reduziert werden, da sie die Verdauung belasten.

Ernährung bei chronischer Pankreatitis: Mit Enzymen und kleinen Mahlzeiten durch den Tag

Bei chronischer Pankreatitis ist die Ernährung kein „kurzfristiges Problem“ - sie ist ein Lebensstil. Die Hauptaufgabe: die Verdauung unterstützen, Mangel vorbeugen und Gewicht halten.

Die zentrale Therapie: Pankreasenzymersatztherapie (PERT). Patienten nehmen Kapseln mit Lipase, Amylase und Protease ein - vor jeder Mahlzeit und jedem Snack. Die empfohlenen Dosen:

  • 40.000-90.000 Lipase-Einheiten pro Hauptmahlzeit
  • 25.000 Lipase-Einheiten pro Snack

Einige Produkte wie Creon 36.000 haben sich als besonders wirksam erwiesen - sie verbessern die Fettverdauung um bis zu 45 % im Vergleich zu älteren Formulierungen. Die Wirkung wird über eine 72-Stunden-Fettstuhl-Analyse überprüft: Wenn mehr als 7 % Fett im Stuhl sind, ist die Dosis zu niedrig.

Wichtig: Fette sind nicht grundsätzlich verboten - sie müssen nur anders verarbeitet werden. Medium-Chain-Triglyceride (MCT) brauchen keine Pankreasenzyme, um verdaut zu werden. Sie kommen in Kokosöl, MCT-Öl oder speziellen Nahrungsergänzungsmitteln vor. Viele Patienten berichten, dass sie mit MCT-Öl ihre Fettstühle von 4-5 pro Tag auf 1-2 pro Woche reduzieren konnten.

Essen Sie kleinere, häufigere Mahlzeiten - 6 bis 8 pro Tag. Das entlastet das Pankreas und verhindert starke Blutzuckerschwankungen, besonders wenn Diabetes auftritt.

Mangelerscheinungen: Die unsichtbaren Folgen

Ein Patient mit chronischer Pankreatitis ist oft nicht nur untergewichtig - er ist unterversorgt. Die verminderte Enzymproduktion führt zu Mangel an fettlöslichen Vitaminen: A, D, E, K.

Studien zeigen:

  • 85 % haben Vitamin-D-Mangel (<20 ng/ml)
  • 40 % haben Vitamin-B12-Mangel (<200 pg/ml)
  • 25 % haben Vitamin-A-Mangel (<30 μg/dl)

Darüber hinaus fehlen oft Zink, Magnesium und Kalzium. Die Lösung: regelmäßige Blutkontrollen und gezielte Supplementierung. Vitamin D wird oft mit 1.000-2.000 IE pro Tag gegeben, B12 als Spritze oder hochdosierte Tabletten.

Einige Patienten brauchen sogar eine Magensonde oder eine Nahrungszufuhr direkt in den Dünndarm (nasojejunal), wenn sie trotz Enzymen und Ernährung nicht mehr zunehmen. Das ist kein Zeichen von Versagen - es ist eine lebenswichtige Unterstützung.

Mystischer Wald als Pankreas mit heilenden Kristallen und Vitamin-Orbs

Langfristige Risiken und neue Entwicklungen

Chronische Pankreatitis erhöht das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs um das 15- bis 20-Fache. Innerhalb von 10 Jahren entwickeln 4 % der Betroffenen diesen Krebs. Deshalb empfehlen Experten ab dem 40. Lebensjahr oder nach 20 Jahren Krankheitsdauer jährliche MRT- oder MRCP-Untersuchungen - besonders bei Rauchern oder mit genetischer Belastung.

Neue Ansätze versprechen Hoffnung: Die REGENERATE-CP-Studie testet derzeit Stammzelltherapien - erste Ergebnisse zeigen eine 30 %ige Verbesserung der Verdauungsfunktion nach einem Jahr. Auch Probiotika wie Lactobacillus rhamnosus GG und Bifidobacterium lactis reduzieren Schmerzen um bis zu 40 % in klinischen Studien.

Im Januar 2024 wurde der Dexcom G7 als erstes kontinuierliches Glukose-Monitoring-System für pancreatogenen Diabetes zugelassen - eine große Hilfe, da diese Form von Diabetes oft unvorhersehbare Blutzuckerschwankungen hat.

Was funktioniert wirklich? Erfahrungen von Betroffenen

Ein Patient aus der Schweiz schrieb in einem Forum: „Nach sieben Jahren Fehldiagnosen hat mir das Johns Hopkins Center mit MCT-Öl und regelmäßigen Enzymen das Leben gerettet. Ich kann wieder essen, ohne Angst zu haben.“

Aber viele kämpfen noch: „Ich nehme 40.000 LU Lipase pro Mahlzeit - und verliere trotzdem 35 Pfund.“ Solche Erfahrungen zeigen: Die Therapie ist individuell. Was für einen funktioniert, hilft dem anderen nicht. Deshalb braucht man ein Team: Gastroenterologe, Ernährungsberater, Schmerztherapeut, Psychologe.

Die größte Herausforderung bleibt: Viele Hausärzte fühlen sich mit chronischer Pankreatitis überfordert. Nur 35 % sagen, sie fühlen sich sicher in der Behandlung. Deshalb ist es wichtig, sich an spezialisierte Zentren zu wenden - auch wenn der Weg länger ist.

Was können Sie tun?

  • Bei akuter Pankreatitis: Sofort ins Krankenhaus. Keine Selbstbehandlung. Flüssigkeitszufuhr und Ruhe sind entscheidend.
  • Bei chronischer Pankreatitis: Nehmen Sie Enzyme regelmäßig ein - nicht nur bei Beschwerden. Essen Sie kleine Portionen, 6-8 Mal am Tag. Vermeiden Sie Alkohol und Rauchen - das ist das Wichtigste.
  • Prüfen Sie Ihre Vitamine: Lassen Sie jährlich Vitamin D, B12, A und Zink messen. Ergänzen Sie gezielt.
  • Suchen Sie ein Spezialzentrum: Ein multidisziplinäres Team macht den Unterschied. Suchen Sie nach Zentren mit Schwerpunkt Pankreas.

Die Pankreatitis ist keine Krankheit, die man einfach „wegmacht“. Aber mit richtiger Ernährung, Enzymen und Lebensstiländerungen kann man ein gutes Leben führen - auch mit einer beschädigten Bauchspeicheldrüse.

11 Kommentare

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    Thorsten Lux

    Januar 11, 2026 AT 20:11
    Hab das letzte Jahr mit akuter Pankreatitis durchgemacht. Kein Alkohol, kein Fett, kein Zucker. War arschig, aber funktioniert. Jetzt wieder 2 Kilo zugenommen. 🤷‍♂️
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    Kristoffer Griffith

    Januar 12, 2026 AT 19:07
    Ich hab meinen Vater verloren an chronischer Pankreatitis. Er hat nie aufgehört zu rauchen, hat immer gesagt: "Ich lebe noch, also muss ich was genießen." Die Enzyme hat er vergessen, die Vitamine auch. Es ist nicht nur körperlich – es ist eine seelische Schlacht. Ich wünschte, er hätte das hier gelesen.
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    Markus Noname

    Januar 13, 2026 AT 00:42
    Die postulierte Kausalität zwischen Alkoholmissbrauch und chronischer Pankreatitis ist zwar epidemiologisch robust, jedoch nicht deterministisch. Es existieren signifikante interindividuelle Variabilitäten in der metabolischen Verarbeitung von Ethanol, die durch polymorphe Varianten der ADH- und ALDH-Genfamilien moduliert werden. Die klinische Relevanz von MCT-Fetten beruht auf der physiologischen Tatsache, dass diese mittelkettigen Triglyceride direkt über die portalen Venen resorbiert werden, ohne eine Lipase-abhängige Hydrolyse zu erfordern. Dies stellt eine biochemisch fundierte therapeutische Intervention dar, die über die empirische Erfahrung hinausgeht.
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    jan erik io

    Januar 14, 2026 AT 09:36
    Ich hab vor drei Jahren angefangen, MCT-Öl in meinen Kaffee zu rühren. Hatte immer Fettstühle, jetzt nur noch ab und zu. Die Enzyme nehmen ich immer mit, auch wenn ich nur nen Apfel esse. Es ist nicht sexy, aber es hält dich am Leben. Und ja, ich hab auch Vitamin D. Jeden Tag.
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    Renate Håvik Aarra

    Januar 15, 2026 AT 13:30
    Wer das mit den 40.000 LU nicht nimmt, ist einfach nicht ernsthaft. Ich hab gesehen, wie Leute mit 10.000 rumlaufen und sich wundern, warum sie abnehmen. Das ist nicht Ernährung – das ist Selbstbetrug. Und wer raucht, hat keine Rechte, über Pankreas zu reden.
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    Inger Karin Lie

    Januar 16, 2026 AT 17:21
    ich hab vor 2 jahren angefangen, 6-mal am tag zu essen… und plötzlich war der schmerz weg. nicht ganz, aber viel besser. 😊 vitamin d ist jetzt mein bester freund. und ja, ich trinke kein alkohol mehr. nicht weil ich muss, sondern weil ich es nicht mehr will.
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    else Thomson

    Januar 17, 2026 AT 10:06
    Chronisch heißt nicht hoffnungslos. Es heißt: anders leben.
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    Marit Darrow

    Januar 19, 2026 AT 03:51
    In Norwegen wird die Pankreatitis oft unterschätzt. Die Gesundheitsbehörden haben kein spezialisiertes Register. Wir haben Zentren in Oslo und Bergen, aber in Trondheim? Fast keine. Die Patienten reisen Hunderte Kilometer – und das, obwohl die Krankheit so häufig ist. Das ist kein medizinisches Problem. Das ist ein Systemversagen.
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    Bjørn Vestager

    Januar 21, 2026 AT 01:58
    Ich hab vor drei Jahren meinen Job als Koch aufgegeben, weil ich chronische Pankreatitis hatte. Jetzt bin ich Ernährungsberater. Ich hab gelernt: Es geht nicht darum, alles zu verbieten. Es geht darum, zu verstehen, wie dein Körper tickt. MCT-Öl ist kein Wundermittel – aber es ist ein Werkzeug. Und Enzyme? Die sind nicht optional. Die sind deine neue Leber, deine neue Bauchspeicheldrüse. Wenn du sie vergisst, vergisst du dich selbst.
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    Martine Flatlie

    Januar 21, 2026 AT 23:33
    Ich hab das letzte Jahr mit MRTs und Blutwerten verbracht. Hatte Angst, dass es Krebs ist. War’s nicht. Aber ich hab jetzt einen neuen Plan: kleine Portionen, MCT-Öl, Vitamin D, und kein Stress. 🌿✨ Und ja – ich lache wieder. Manchmal.
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    Astrid Garcia

    Januar 22, 2026 AT 21:29
    Wenn du denkst, du kannst das mit 'ein bisschen weniger Alkohol' hinkriegen, liegst du falsch. Ich hab das getan. Bin in die Klinik gekommen. Habe 14 Tage auf der Intensivstation gelegen. Jetzt trinke ich Wasser. Und ich bin dankbar. Kein 'vielleicht', kein 'ab und zu'. Ende. Aus. Punkt.

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