Lithiumcarbonat-Generika: Wichtige Serumspiegel-Überlegungen bei bipolaren Störungen

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Wenn jemand mit einer bipolaren Störung Lithiumcarbonat nimmt, geht es nicht nur darum, eine Tablette zu verschreiben. Es geht darum, den Lithiumspiegel im Blut genau im Griff zu haben - und zwar bei jedem einzelnen Patienten. Das gilt besonders, wenn ein Originalpräparat durch ein Generikum ersetzt wird. Viele Ärzte und Patienten glauben, dass alle Lithiumcarbonat-Präparate gleich sind. Das ist ein gefährlicher Irrtum.

Warum Lithium noch immer unverzichtbar ist

Lithium ist kein neues Medikament. Es wurde in den 1940er-Jahren entdeckt, und seitdem hat es Millionen von Menschen mit bipolaren Störungen vor schweren Stimmungsschwankungen, Suizidversuchen und Krankenhausaufenthalten bewahrt. Studien aus den 1980er-Jahren zeigen: Wer regelmäßig Lithium nimmt, hat eine 70% geringere Wahrscheinlichkeit, einen schweren depressiven oder manischen Anfall zu erleiden. Das ist mehr als jedes andere Medikament, das heute zur Verfügung steht. Selbst mit neuen Wirkstoffen wie Quetiapin oder Valproat bleibt Lithium die erste Wahl für die Langzeittherapie bei bipolarem Typ I - besonders, wenn es um die Verhinderung von Suiziden geht.

Der enge therapeutische Bereich: 0,6 bis 1,2 mmol/L

Lithium ist ein klassisches NTI-Medikament: Narrow Therapeutic Index. Das bedeutet, der Abstand zwischen Wirkung und Toxizität ist winzig. Zu wenig Lithium - dann wirkt es nicht. Zu viel - dann wird es gefährlich.

Die Zielspanne liegt zwischen 0,6 und 1,2 mmol/L. Aber das ist kein festes Ziel für alle. Bei akuten Manien wird oft ein Spiegel von 0,8-1,0 mmol/L angestrebt. In der Erhaltungstherapie reichen oft 0,6-0,8 mmol/L. Wer über 1,2 mmol/L kommt, läuft Gefahr, Nebenwirkungen wie Zittern, Übelkeit, Konzentrationsschwäche oder Nierenbelastung zu bekommen. Ab 1,5 mmol/L spricht man von schwerer Toxizität: Verwirrtheit, Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen - manchmal sogar Koma.

Und hier kommt das Problem mit Generika ins Spiel. Nicht alle Lithiumcarbonat-Präparate werden im Körper gleich aufgenommen. Das liegt nicht an der Wirksubstanz - die ist identisch. Sondern an der Formulierung: Wie schnell wird das Lithium freigesetzt? Wie lange bleibt es im Körper? Das bestimmt, wie hoch der Spiegel am Ende ist.

Generika sind nicht gleich Generika

Einige der häufigsten Marken in Europa sind Camcolit, Priadel und verschiedene unbenannte Generika. Sie unterscheiden sich in ihrer Freisetzungsgeschwindigkeit. Camcolit und Priadel sind beide langsam freisetzende Formulierungen - aber nicht gleich. Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigte: Wenn Patienten von Priadel auf Camcolit umgestellt wurden, stieg ihr durchschnittlicher Serumspiegel um 11%. Die tägliche Dosis musste sogar um 50 mg höher sein, um denselben Spiegel zu erreichen. Das klingt nach wenig - aber bei Lithium ist das eine ganze Welt.

Ein weiterer Befund: Einige Generika haben eine Tmax (Zeit bis zum Höchstspiegel) von 2-3 Stunden, andere von 4-5 Stunden. Das bedeutet: Wenn du von einer Tablette, die in 2 Stunden wirkt, auf eine umstellst, die erst nach 5 Stunden ihren Höhepunkt erreicht, dann kann dein Spiegel plötzlich zu niedrig oder zu hoch sein - ohne dass du es merkst. Die Patienten fühlen sich oft „normal“, bis sie plötzlich krank werden oder toxisch reagieren.

Das ist kein Fehler der Hersteller. Die EU und die FDA verlangen, dass Generika bioäquivalent sind - also zwischen 80% und 125% der Aufnahme des Originalpräparats liegen. Klingt akzeptabel? Doch bei Lithium ist das zu viel Spielraum. Ein Unterschied von 25% kann bedeuten, dass ein Patient mit 0,7 mmol/L plötzlich bei 0,9 mmol/L landet - und damit über das therapeutische Ziel hinaus.

Zwei Lithium-Tabletten im Vergleich: eine stabil blau leuchtend, die andere unsicher rot funkeln, mit warnendem Stethoskop.

Was Ärzte tun müssen: Kein Austausch ohne Kontrolle

Wenn ein Patient stabil ist und sein Lithiumspiegel bei 0,7 mmol/L liegt, dann sollte er nicht einfach auf ein anderes Generikum umgestellt werden - nur weil es billiger ist. Jede Formulierungsänderung erfordert eine neue Blutkontrolle. Ideal ist: 12 Stunden nach der letzten Einnahme ein Bluttest bei Standardpräparaten. Bei langsam freisetzenden Formen wie Priadel oder Camcolit wird oft der Spiegel 24 Stunden nach der letzten Dosis gemessen - das ist der Standard.

Und das gilt nicht nur für den ersten Wechsel. Auch wenn ein Patient über Monate stabil war, aber das Medikament aufgrund von Lieferengpässen oder Kosteneinsparungen gewechselt wird, muss der Spiegel erneut kontrolliert werden. Eine Studie fand vier Patienten mit kritisch hohen Spiegeln (bis zu 1,88 mmol/L), nachdem sie zwischen Generika umgestellt worden waren - ohne dass der Arzt es bemerkt hatte.

Alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede

Lithium wird über die Nieren ausgeschieden. Und die Nierenfunktion nimmt mit dem Alter ab. Patienten über 60 benötigen oft 30-40% weniger Lithium als jüngere Menschen. Eine Studie aus 2024 zeigte: Patienten über 80 nahmen durchschnittlich 437 mg weniger pro Tag als jüngere Erwachsene - und das war richtig so. Frauen nehmen im Durchschnitt auch 96 mg weniger als Männer, oft wegen geringerer Körpermasse und unterschiedlicher Nierenfunktion.

Deshalb gibt es keine Standarddosis. Eine 35-jährige Frau mit 60 kg Körpergewicht braucht etwas anderes als ein 70-jähriger Mann mit 90 kg. Die Faustregel: Unter 40 Jahren: 900-1200 mg/Tag; 40-60 Jahre: 700-900 mg/Tag; über 60: 550-750 mg/Tag. Aber das ist nur ein Anhaltspunkt. Der Spiegel im Blut zählt.

Was noch überwacht werden muss

Lithium beeinflusst nicht nur das Gehirn. Es wirkt auf die Schilddrüse - etwa 10% der Patienten entwickeln eine Unterfunktion. Deshalb braucht man jedes Jahr eine TSH-Messung. Es belastet die Nieren - deshalb muss der Kreatininwert und die eGFR (geschätzte Filtrationsrate) alle 3-6 Monate kontrolliert werden. Seit 2022 empfehlen Leitlinien sogar, statt Kreatinin den Cystatin-C-Wert zu messen - er ist genauer, besonders bei älteren Patienten.

Und: Lithium wirkt auf das Elektrolyt-Gleichgewicht. Zu wenig Salz im Körper - also durch Diät, Diuretika oder Schwitzen - führt zu einem plötzlichen Anstieg des Lithiumspiegels. Deshalb ist es wichtig, dass Patienten nicht plötzlich ihre Salzzufuhr reduzieren oder extremer Sport treiben, ohne ihre Dosis anzupassen.

Ein älterer Patient bei Sonnenaufgang, umgeben von schützenden Lithium-Ionen und stabilen Gesundheitsdaten in der Luft.

Die Zukunft: Personalisierte Dosisrechnung

Wissenschaftler arbeiten bereits an Algorithmen, die die optimale Lithiumdosis vorhersagen - basierend auf Alter, Gewicht, Nierenfunktion, Geschlecht und sogar genetischen Markern. Die International Consortium on Lithium Genetics hat bereits 30 genetische Varianten identifiziert, die die Wirkung und den Abbau von Lithium beeinflussen. In einigen Kliniken in Deutschland und der Schweiz werden diese Daten jetzt in die elektronische Patientenakte eingebunden - und das System warnt, wenn ein Wechsel zwischen Generika droht.

Doch bis diese Technologie flächendeckend verfügbar ist, bleibt die einfachste, billigste und wirksamste Methode: Regelmäßige Blutkontrollen. Kein Wechsel ohne Messung. Keine Dosisänderung ohne Kontrolle. Und keine Annahme, dass „ein Lithium wie das andere“ ist.

Was Patienten wissen müssen

Wenn du Lithium nimmst, dann:

  • Verändere nie die Marke ohne Rücksprache mit deinem Arzt.
  • Lasst dich regelmäßig auf den Lithiumspiegel testen - mindestens alle 3 Monate, besonders nach einem Wechsel.
  • Trinke ausreichend Flüssigkeit - aber nicht übermäßig. Zu viel Wasser kann den Spiegel senken, zu wenig kann ihn erhöhen.
  • Vermeide starke Diäten, Salzreduktion oder intensive Sporteinheiten ohne Absprache.
  • Informiere jeden neuen Arzt, dass du Lithium nimmst - auch wenn er nur ein Antibiotikum verschreiben will.

Warum muss ich den Lithiumspiegel im Blut messen lassen, wenn ich mich gut fühle?

Weil Lithium ein Medikament mit sehr engem therapeutischem Fenster ist. Du kannst dich gut fühlen, während dein Spiegel bereits toxisch ist - oder umgekehrt: Du fühlst dich schlecht, obwohl der Spiegel zu niedrig ist. Die Symptome sind oft unspezifisch: Zittern, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche. Nur eine Blutuntersuchung zeigt, ob es wirklich an der Dosis liegt oder an etwas anderem. Regelmäßige Kontrollen verhindern Überraschungen.

Ist ein Generikum von Lithiumcarbonat genauso sicher wie das Original?

In der Theorie ja - die Wirksubstanz ist identisch. In der Praxis nein. Die Formulierung, also wie das Lithium freigesetzt wird, kann zwischen Generika und Original oder zwischen verschiedenen Generika stark variieren. Das führt zu unterschiedlichen Blutspiegeln, selbst bei gleicher Dosis. Ein Patient, der von Priadel auf ein billigeres Generikum wechselt, kann plötzlich einen zu hohen Spiegel haben - und das ohne Symptome. Deshalb ist jede Wechselaktion ein medizinischer Eingriff, der eine neue Kontrolle erfordert.

Welche Lithiumformulierung ist die beste: sofort- oder langsamfreisetzend?

Langsam freisetzende Formulierungen wie Priadel oder Camcolit sind heute die Standardwahl. Sie führen zu stabileren Blutspiegeln, weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit und geringerer Schwankung der Wirkung. Sie werden meist nur einmal täglich eingenommen - was die Einnahme einfacher macht. Bei sofortfreisetzenden Präparaten muss man dreimal täglich einnehmen, was die Compliance senkt. Allerdings: Bei manchen Patienten mit sehr schneller Ausscheidung oder besonderen Stoffwechselbedingungen kann ein sofortfreisetzendes Präparat sinnvoller sein. Die Wahl hängt vom Einzelfall ab - nicht von der Marke.

Kann ich Lithium mit anderen Medikamenten einnehmen?

Einige Medikamente beeinflussen den Lithiumspiegel stark. Diuretika (Wassertabletten) können ihn erhöhen - oft gefährlich. NSAIDs wie Ibuprofen oder Diclofenac erhöhen die Lithiumkonzentration um bis zu 40%. ACE-Hemmer, ARBs und einige Antibiotika wirken ähnlich. Wenn du ein neues Medikament bekommst, musst du deinen Arzt unbedingt darauf hinweisen, dass du Lithium nimmst. Nicht alle Ärzte kennen diese Wechselwirkungen.

Was passiert, wenn ich Lithium absetze?

Ein abruptes Absetzen von Lithium kann zu einer schweren Rückfallrate führen - oft innerhalb von Tagen. Die Stimmungsschwankungen können dann noch extremer sein als vor der Behandlung. Deshalb sollte man es nur unter ärztlicher Aufsicht abschwächen - meist über mehrere Wochen. Und auch danach sollte man die ersten Monate eng überwachen. Die Wirkung von Lithium auf das Gehirn hält länger an als die Anwesenheit im Blut. Deshalb ist das Absetzen kein einfacher Prozess.

Was bleibt: Vertrauen, aber kontrollieren

Lithium ist kein Medikament für die Massenproduktion. Es ist ein fein abgestimmtes Werkzeug - und wie ein Skalpell muss es mit Bedacht eingesetzt werden. Generika haben ihren Platz - sie machen die Therapie bezahlbar. Aber sie dürfen nicht als austauschbare Ersatzteile behandelt werden. Jede Dosisänderung, jede Markenwechsel, jede Lebensveränderung braucht eine neue Blutuntersuchung. Denn bei Lithium zählt nicht, was auf der Packung steht. Sondern was im Blut fließt.

14 Kommentare

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    Smith Schmidt

    März 24, 2026 AT 11:19

    Ich hab als Pflegedienstleiter jahrelang mit bipolaren Patienten gearbeitet, und das hier ist das Wichtigste, was ich je gelesen hab: Lithium ist kein Allheilmittel, sondern ein Skalpell. Ein Patient, der jahrelang stabil war mit Camcolit, wurde einfach auf ein billigeres Generikum umgestellt – ohne Blutkontrolle. Drei Wochen später kam er mit Verwirrtheit und Nierenversagen ins Krankenhaus. Kein Arzt hat’s gemerkt, weil der Patient sagte, er fühle sich „normal“. Aber normal ist nicht gleich stabil. Der Spiegel war auf 1,7 mmol/L gestiegen. Das ist kein Zufall, das ist Systemversagen.

    Generika sind nicht schlecht – aber sie sind nicht identisch. Jedes Mal, wenn man die Marke wechselt, ist es ein neuer Therapiebeginn. Und das sollte man auch behandeln: mit Blutabnahme, mit Dokumentation, mit Kommunikation. Keine Kosteneinsparung sollte wichtiger sein als die Sicherheit eines Menschen. Ich hab schon zu viele Patienten verloren, die nur wegen einer falschen Annahme „das ist doch alles gleich“ gestorben sind.

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    Eugen Mihai

    März 26, 2026 AT 01:45

    Die ganze Diskussion ist ein klassischer Fall von medizinischem Dogmatismus. Man redet von Bioäquivalenz, als wäre das ein naturgesetzliches Prinzip – aber Lithium ist kein Aspirin. Es ist ein Alkali-Metall-Ion, das in biologischen Systemen nicht linear verhält. Die FDA und die EMA haben ein Modell entwickelt, das für Penicillin funktioniert – und jetzt zwingen sie das auf Lithium an. Das ist wie einen Dampfhammer als Feinmechanik zu verwenden.

    Die Pharma-Industrie hat den Begriff „Generikum“ zu einem Marketing-Tool gemacht. Aber wer hat je die Freisetzungsprofile von 12 verschiedenen Lithiumcarbonat-Präparaten unter identischen physiologischen Bedingungen verglichen? Niemand. Weil es zu teuer ist. Weil es keine Gewinne bringt. Weil wir lieber über „Personalisierte Medizin“ reden, statt die Grundlagen zu messen. Und das ist der wahre Skandal: Nicht die Generika – sondern die Ignoranz der Leitlinien.

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    Ine Muys

    März 26, 2026 AT 03:56

    Es ist erschreckend, wie wenig medizinisches Grundwissen in der Bevölkerung vorhanden ist. Jemand, der Lithium einnimmt, sollte nicht nur die Dosis kennen, sondern auch die pharmakokinetischen Grundlagen. Die Tatsache, dass Patienten glauben, sie könnten einfach das Präparat wechseln, ohne Konsequenzen zu befürchten, ist ein Indikator für ein gesamtes Versagen im Gesundheitssystem. Die Verantwortung liegt nicht nur beim Arzt – sondern auch beim Patienten. Und wenn jemand nicht bereit ist, sich über die Wirkmechanismen seines Medikaments zu informieren, dann ist er nicht berechtigt, es einzunehmen. Es ist keine Frage von Kosten – es ist eine Frage von Verantwortung.

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    Petter Hugem Lereng

    März 26, 2026 AT 06:45

    Wow, das ist so detailliert, dass ich fast Tränen in den Augen hab 😭 Seriously though – ich hab einen Freund, der seit 15 Jahren Lithium nimmt, und er hat letztes Jahr von Priadel auf ein Generikum gewechselt, weil die Kasse das wollte. Keine Kontrolle. Keine Warnung. Er hat 3 Wochen lang gedacht, er wäre „einfach müde“. Dann kam er mit Schwindel ins Krankenhaus. Der Spiegel: 1,4. Er hat 4 Tage gebraucht, um sich wieder zu stabilisieren.

    Ich find’s krass, dass das in 2025 noch passiert. Wir haben doch Smartphones, die uns sagen, wie viel Koffein wir trinken – aber nicht, wie viel Lithium in unserem Blut ist. Wieso gibt’s keine App, die den Spiegel trackt? Oder wenigstens eine Erinnerung: „Bluttest fällig“? Das wäre doch machbar. Warum nicht?!

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    Kristian Dubinji

    März 27, 2026 AT 11:18

    Ich bin Psychiatrie-Student und hab das letzte Jahr in einer Klinik gearbeitet, wo wir genau das durchgemacht haben – Wechsel von Original auf Generikum, ohne Kontrolle. Zwei Patienten hatten kritische Werte, einer war fast im Koma. Die Ärzte waren total überrascht, weil sie dachten, „es ist doch nur ein Generikum“.

    Wir haben dann eine interne Richtlinie eingeführt: Jeder Wechsel = automatische Blutabnahme nach 7 Tagen. Und wir dokumentieren die Marke in der Akte mit Farbe: Rot = Original, Grün = Generikum, Gelb = Wechsel in Bearbeitung.

    Es ist so simpel. Und trotzdem wird es nicht gemacht. Warum? Weil es Zeit kostet. Weil es keine Boni gibt. Weil niemand verantwortlich ist. Ich find’s traurig. Aber ich werd’s ändern – mit meinen Kollegen. Kleine Schritte.

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    Inge Hendriks

    März 27, 2026 AT 21:18

    Es ist bemerkenswert, wie sehr die medizinische Gemeinschaft immer noch von der Annahme ausgeht, dass Identität der Wirksubstanz Gleichheit der therapeutischen Wirkung impliziert. Dieser Ansatz ist nicht nur veraltet – er ist gefährlich. Die pharmazeutische Industrie hat die Regulierung so gestaltet, dass sie wirtschaftliche Interessen über patientenorientierte Sicherheit stellt. Die Bioäquivalenz von 80–125% ist für Lithium ein Skandal. Es sollte eine Spanne von maximal 95–105% geben. Jede andere Regelung ist eine Fahrlässigkeit.

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    Kjell Hamrén

    März 28, 2026 AT 20:43

    Ich hab auch Lithium genommen, 3 Jahre lang. Hab mich immer gut gefühlt. Dann hab ich die Marke gewechselt – weil die Kasse das wollte. Keine Kontrolle. Keine Info. Plötzlich hab ich ständig Kopfschmerzen und war total gereizt. Hatte keine Ahnung, dass das an dem Medikament liegen könnte.

    Erst als ich selber recherchiert hab, hab ich’s verstanden. Also: Leute, wenn ihr Lithium nehmt – macht euch schlau. Fragt nach dem Namen. Fragt nach dem Spiegel. Fragt, ob das was anderes ist als vorher. Es ist euer Körper. Niemand sonst kümmert sich so gut darum wie du.

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    Berit Ellingsen

    März 30, 2026 AT 01:15

    Es ist so traurig, wie sehr wir uns in unserer Gesellschaft auf Systeme verlassen, die uns nicht schützen – sondern ausbeuten. Lithium ist ein Wundermittel, das von Pharma-Konzernen ignoriert wird, weil es billig ist. Und jetzt, wo es endlich wieder an Bedeutung gewinnt, wird es durch billige, unkontrollierte Generika zerstört. Das ist kein medizinisches Problem. Das ist ein moralisches Versagen. Wir haben eine Welt, in der Geld wichtiger ist als Leben – und wir schauen einfach zu. Ich fühle mich ohnmächtig. Ich fühle mich wütend. Ich fühle mich allein.

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    Steinar Kordahl

    März 31, 2026 AT 21:55

    Die Studie aus 2024 mit dem 11% Anstieg bei Wechsel von Priadel auf Camcolit ist entscheidend. Aber die meisten Ärzte kennen sie nicht. Ich hab sie in einer Fortbildung vorgestellt – und eine Kollegin sagte: „Aber das ist doch nur ein bisschen mehr.“

    Ein bisschen mehr bei Lithium ist ein ganzer Spiegel. Ein bisschen mehr ist Koma. Ein bisschen mehr ist Tod.

    Wir brauchen keine neuen Medikamente. Wir brauchen bessere Regeln. Und wir brauchen Ärzte, die nachlesen. Nicht nur nachschreiben.

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    Kristoffer Hveem

    April 1, 2026 AT 16:38

    Ich bin seit 12 Jahren auf Lithium – und ich hab nie einen Wechsel gemacht. Aber ich hab mal eine Klinik aufgesucht, weil ich mich „nicht mehr wie ich“ fühlte. Der Arzt hat gesagt: „Vielleicht ist es die Dosis.“ Ich hab gesagt: „Ich hab seit 2 Jahren dieselbe Marke.“ Er hat gesagt: „Ach, das ist doch egal.“

    Ich hab ihn dann gefragt: „Haben Sie jemals einen Bluttest gemacht?“

    Er hat geschaut, als hätte ich ihn beschimpft.

    Dann hab ich die Akte eingesehen. Kein einziger Spiegel seit 4 Jahren.

    Ich hab die Klinik verlassen. Und mich zu einem anderen Arzt gewendet.

    Das ist kein medizinisches Versagen. Das ist ein System, das uns vergisst.

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    Morten Rasch Eliassen

    April 3, 2026 AT 03:29

    Lithium ist halt so ein Ding, das man nicht wirklich versteht, aber trotzdem nimmt, weil man keine Wahl hat. Ich find’s krass, dass man so viel Aufhebens macht um ein paar Millimol/L. Wieso nicht einfach mehr nehmen? Dann ist’s ja sicherer, oder? 😅

    Also ich hab gehört, dass in Norwegen alle mit Bluttests versorgt werden. Vielleicht sollten wir das hier auch machen. Einfach so. Einfach weil es richtig ist.

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    Ingvild Åsrønning Broen

    April 4, 2026 AT 09:25

    Ich denke oft darüber nach, was es bedeutet, ein Medikament zu nehmen, das dein Gehirn verändert – und das du nicht kontrollieren kannst. Lithium ist kein Medikament, das du einfach einnimmst. Es ist ein Dialog. Ein ständiger Abgleich zwischen deinem Körper, deinem Geist und einem System, das dich nicht wirklich sieht.

    Ich frage mich: Wenn wir so viel über Personalisierung reden – warum dann nicht auch bei Lithium? Warum nicht ein Algorithmus, der auf dein Gewicht, deine Nierenwerte, deine Ernährung und deine Genetik reagiert? Warum nicht eine App, die dir sagt: „Heute solltest du 100 mg weniger nehmen, weil du weniger Salz gegessen hast.“

    Wir haben die Technik. Wir haben die Daten. Wir haben nur nicht den Mut, sie zu nutzen.

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    Torstein I. Bø

    April 6, 2026 AT 00:17

    Die ganze Diskussion ist eine Ablenkung. Die echte Frage ist: Warum gibt es überhaupt Generika für Lithium? Weil es billig ist. Aber billig ist nicht besser. Es ist gefährlich. Und die, die das entscheiden, sitzen in Berlin, nicht in der Klinik. Sie haben keine Ahnung. Sie haben nie einen Patienten gesehen, der an Lithiumtoxizität stirbt. Also reden sie über Bioäquivalenz. Wie ein Mathematiker, der nie ein Auto gesehen hat, aber sagt, wie es fahren soll.

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    Lars Olav Kjølstad

    April 6, 2026 AT 22:16

    Ich hab vor einem Jahr einen Patienten betreut, der von einem Generikum auf Camcolit zurückgewechselt wurde – nachdem er zwei Mal ins Krankenhaus musste. Der Spiegel war auf 1,6 gestiegen. Er hat geweint, als er sagte: „Ich dachte, ich wäre einfach schlecht drauf.“

    Wir haben ihn auf 0,7 mmol/L zurückgefahren. Seitdem geht es ihm gut.

    Das ist der Punkt: Lithium ist kein „Eins-zu-eins“-Medikament. Es ist ein „Eins-zu-einem-Menschen“-Medikament. Und das sollte jeder Arzt wissen. Und jeder Apotheker. Und jede Kasse.

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