Die meisten Menschen wissen, dass Hepatitis A und B ernsthafte Lebererkrankungen verursachen können. Aber nur wenige verstehen, wie einfach und effektiv man sich davor schützen kann - mit einem klaren Impfschema. Die Impfstoffe gegen Hepatitis A und B sind nicht nur sicher, sie verhindern auch langfristige Schäden wie Leberzirrhose oder Leberkrebs. Die Frage ist nicht, ob man geimpft werden sollte, sondern wie man es richtig macht - mit dem richtigen Zeitplan, dem richtigen Impfstoff und ohne Lücken.
Wieso ist die Impfung gegen Hepatitis A und B so wichtig?
Hepatitis A verbreitet sich meist über verschmutztes Essen oder Wasser. In der Schweiz ist das selten, aber bei Reisen in Länder mit schlechter Hygiene - etwa in Südostasien, Afrika oder Lateinamerika - ist das Risiko hoch. Hepatitis B dagegen ist ansteckender: Sie überträgt sich durch Blut, Sex oder von Mutter auf Kind. Jeder, der eine Nadel teilt, einen Tattoo-Stich bekommt oder ungeschützten Sex hat, läuft Gefahr. Ohne Impfung bleibt man anfällig - und kann andere anstecken.
Die gute Nachricht: Die Impfstoffe wirken fast immer. Bei gesunden Kindern und jungen Erwachsenen schützen sie zu über 95 %. Selbst bei älteren Menschen oder Diabetikern liegt die Wirksamkeit bei 80-90 %. Seit Einführung der Impfungen ist die Zahl der Neuerkrankungen bei Kindern in der Schweiz um mehr als 90 % gesunken. Das ist kein Zufall - das ist Wissenschaft.
Impfschema für Kinder: Beginn mit der Geburt
Bei Babys beginnt der Schutz bereits im Krankenhaus. Die WHO und das Bundesamt für Gesundheit empfehlen: Die erste Dosis Hepatitis B-Impfstoff sollte innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt gegeben werden - besonders, wenn die Mutter Trägerin des Virus ist. Aber auch bei gesunden Müttern ist diese erste Dosis wichtig. Warum? Weil Babys, die sich mit Hepatitis B anstecken, zu 90 % chronisch erkranken. Erwachsene dagegen nur in 5-10 % der Fälle.
Das Standard-Schema für Kinder lautet:
- Erste Dosis: innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt
- Zweite Dosis: zwischen 1 und 2 Monaten
- Dritte Dosis: zwischen 6 und 18 Monaten
Die letzte Dosis darf nicht vor der 24. Lebenswoche gegeben werden. Sonst ist der Schutz unvollständig. Die Impfung wird oft mit anderen Impfungen kombiniert - etwa gegen Diphterie, Tetanus oder Polio. Das spart Zeit, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchtigen.
Hepatitis A wird bei Kindern ab dem 12. Lebensmonat geimpft. Zwei Dosen, mindestens sechs Monate auseinander. In der Schweiz wird Hepatitis A nicht routinemäßig bei allen Kindern geimpft - aber bei Risikogruppen: Kindern mit Lebererkrankungen, bei Reisen in Hochrisikogebiete oder in Einrichtungen mit erhöhtem Infektionsrisiko wie Kindergärten mit vielen Kindern aus Ländern mit hoher Hepatitis A-Prävalenz.
Impfschema für Erwachsene: Mehr Optionen, mehr Verwirrung
Bei Erwachsenen ist es komplizierter. Es gibt nicht nur einen Impfstoff, sondern mehrere - und jedes hat seinen eigenen Zeitplan. Die meisten Ärzte kennen die Standardversion: drei Dosen Hepatitis B über sechs Monate. Aber das ist längst nicht mehr die einzige Möglichkeit.
Standard-Schema (3 Dosen):
- 0. Tag: Erste Dosis
- 1. Monat: Zweite Dosis
- 6. Monat: Dritte Dosis
Dieses Schema funktioniert mit Impfstoffen wie Engerix-B oder Recombivax HB. Es ist bewährt, kostengünstig und wird von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Aber es dauert lange - und viele Erwachsene vergessen die letzte Dosis. Studien zeigen: Nur 33 % der Erwachsenen zwischen 19 und 49 Jahren machen die Serie zu Ende.
Heplisav-B (2 Dosen):
- 0. Tag: Erste Dosis
- 1. Monat: Zweite Dosis
Das ist der schnellste Weg für Erwachsene. Der Impfstoff enthält einen stärkeren Wirkverstärker - das Immunsystem reagiert schneller. In Studien schützt er 90-100 % der Geimpften, sogar bei Diabetikern und älteren Menschen. Der Nachteil: Er ist teurer (ca. 120-150 CHF pro Dosis) und hat eine Warnung wegen möglicher Herzprobleme. Deshalb wird er nicht bei Menschen mit Herzkrankheiten empfohlen.
PreHevbrio (3 Dosen):
- 0. Tag
- 1. Monat
- 6. Monat
Ein neuerer Impfstoff, der besonders gut bei älteren Menschen funktioniert. Er wird oft bei Patienten mit Nierenproblemen eingesetzt. Die Kosten liegen zwischen denen von Standard- und Heplisav-B.
Reiseimpfung: Was tun, wenn die Abreise bald ist?
Wenn du in zwei Wochen nach Thailand fliegst und noch nicht geimpft bist, gibt es eine Lösung: Twinrix. Das ist ein Kombinationsimpfstoff, der Hepatitis A und B in einer Spritze kombiniert. Und er hat einen beschleunigten Plan.
Accelerated Twinrix-Schema (für Reisende):
- 0. Tag: Erste Dosis
- 7. Tag: Zweite Dosis
- 21.-30. Tag: Dritte Dosis
- 12. Monat: Vierte Dosis (Booster)
Drei Dosen in drei Wochen - das gibt dir innerhalb von 21 Tagen einen Schutz von 94 %. Das ist der einzige Weg, schnell geschützt zu sein. Der Booster nach einem Jahr ist wichtig, sonst hält der Schutz nicht ewig. Viele Reisekliniken in Zürich oder Genf bieten diesen Plan an - besonders für Backpacker, Freiwillige oder Geschäftsreisende.
Achtung: Twinrix kostet etwa 150-180 CHF pro Dosis. Die Krankenkasse zahlt nur, wenn du ein Risiko hast - nicht für Urlaubsreisen. Aber für viele ist es die einzige Option, um nicht mit lebensgefährlichen Krankheiten zurückzukehren.
Was ist mit Menschen mit Vorerkrankungen?
Wenn du Nierenversagen hast, lebst mit HIV oder bist nach einer Transplantation immununterdrückt, funktioniert die normale Impfdosis nicht mehr. Dein Körper braucht mehr Impfstoff - und manchmal mehr Dosen.
- Hemodialyse-Patienten: 4 Dosen Engerix-B (je 2 ml) zu 0, 1, 2 und 6 Monaten
- HIV-positive Erwachsene: 2 Dosen Heplisav-B oder 3 Dosen Engerix-B mit höherer Dosis
- Lebertransplantierte: Impfung vor der Transplantation, wenn möglich - danach ist die Antwort oft schwach
Wichtig: Nach der Impfung wird eine Blutuntersuchung gemacht, um zu prüfen, ob Antikörper gebildet wurden. Keine Vermutung - ein Laborwert. Nur so weißt du, ob du wirklich geschützt bist.
Warum scheitern viele Impfpläne?
Es ist nicht die Impfung, die scheitert. Es ist das System. In der Schweiz ist die Impfquote bei Kindern fast perfekt - 95 %. Aber bei Erwachsenen? Nur 12 % der 50- bis 59-Jährigen sind gegen Hepatitis B geimpft. Warum?
- Keine Erinnerung: Kein Arzt sagt: „Du musst in drei Monaten kommen.“
- Kosten: Heplisav-B und Twinrix zahlt die Kasse nicht immer.
- Verwirrung: „Welcher Impfstoff? Welcher Zeitplan?“ - viele Ärzte selbst sind unsicher.
- Vermeidung: „Ich bin ja gesund, ich brauche das nicht.“
Pharmazeuten in Apotheken helfen. Seit 2023 dürfen sie in der Schweiz Hepatitis-B-Impfungen verabreichen - ohne Rezept. In Zürich und Basel haben Apotheken die Impfquote bei jungen Erwachsenen um 23 % gesteigert. Das ist ein Erfolg, den man nicht übersehen sollte.
Was kommt als Nächstes?
Die Forschung schreitet voran. Ein neuer Impfstoff namens Valneva HepA-HevB soll in 2024 zugelassen werden - mit nur zwei Dosen für beide Hepatitis-Typen. Und in den USA testen Wissenschaftler einen Impfstoff, der mit nur einer Spritze ausreicht. Das wäre ein Durchbruch.
Aber heute brauchen wir keine Wunderwaffe. Wir brauchen nur, dass Menschen die bestehenden Impfstoffe richtig nutzen. Ein Kind, das bei der Geburt geimpft wird. Ein Reisender, der vor der Abreise Twinrix bekommt. Ein Diabetiker, der Heplisav-B wählt. Das ist alles, was nötig ist - um Hepatitis A und B in der Schweiz auszurotten.
Wann sollte man mit der Hepatitis-B-Impfung beginnen?
Die erste Dosis Hepatitis B sollte innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt gegeben werden - besonders, wenn die Mutter Trägerin ist. Aber auch bei gesunden Babys ist diese frühe Impfung wichtig, um eine chronische Infektion zu verhindern. Für Erwachsene gilt: Je früher, desto besser. Die Impfung ist wirksamer, wenn man jünger ist.
Kann man Hepatitis A und B mit einer Impfung schützen?
Ja, mit Twinrix. Das ist ein Kombinationsimpfstoff, der beide Viren in einem einzigen Impfplan abdeckt. Er ist besonders nützlich für Reisende, die schnell geschützt werden müssen. Für Kinder und Erwachsene ohne Reisebedarf reichen separate Impfstoffe - sie sind günstiger und werden von der Krankenkasse übernommen.
Warum ist die Impfung bei Erwachsenen so niedrig?
Weil es kein System gibt, das Erwachsene erinnert. Kein Impfbuch wie bei Kindern. Keine Routineuntersuchung. Und viele Ärzte denken, Hepatitis B sei nur ein Risiko für Risikogruppen - aber das stimmt nicht mehr. Seit 2022 empfehlen Experten die Impfung für alle Erwachsenen zwischen 19 und 59 Jahren - unabhängig von Risiken.
Wie lange hält der Schutz nach der Impfung an?
Bei den meisten Menschen hält der Schutz lebenslang an. Studien zeigen, dass die Antikörper nach 30 Jahren immer noch nachweisbar sind. Die WHO sagt: Eine vollständige Impfserie braucht keine Auffrischung - außer bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Dann wird geprüft, ob Antikörper vorhanden sind - und gegebenenfalls nachgeimpft.
Was passiert, wenn ich eine Dosis vergesse?
Du musst nicht von vorne anfangen. Wenn du die zweite Dosis versäumt hast, machst du sie einfach nach - mindestens vier Wochen nach der ersten. Die dritte Dosis muss mindestens acht Wochen nach der zweiten und sechs Monate nach der ersten sein. Es gibt Regeln, aber keine Strafen. Der Schutz wird trotzdem wirksam - solange alle Dosen gegeben werden.
Kann man sich trotz Impfung noch anstecken?
Sehr selten. Bei gesunden Menschen ist die Schutzwirkung über 95 %. Bei Menschen mit Diabetes, Nierenversagen oder hohem Alter sinkt sie auf 75-85 %. Deshalb wird bei diesen Gruppen nach der Impfung eine Blutuntersuchung gemacht. Wenn keine Antikörper nachweisbar sind, wird nachgeimpft - mit höherer Dosis oder einem anderen Impfstoff.
Geschrieben von Fenja Berwald
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