Hüft-Labrum-Risse: Sportler, Bildgebung und Arthroskopie

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Ein Hüft-Labrum-Riss ist keine typische Verletzung, die man nach einem Sturz oder einem heftigen Aufprall bekommt. Vielmehr entwickelt er sich oft langsam - bei Sportlern, die jeden Tag ihre Hüften extrem belasten: Fußballer, Basketballer, Eishockeyspieler, Tänzer, Läufer. Die Schmerzen beginnen als dumpfes Ziehen in der Leiste, dann kommt ein Klicken, ein Blockieren, ein Gefühl, als ob etwas im Gelenk festhängt. Viele denken, es sei nur eine Zerrung. Doch wenn die Schmerzen nach Wochen nicht verschwinden, ist es oft etwas Tieferes: ein Riss im Labrum, dem ringförmigen Knorpel, der den Hüftkopf wie eine Dichtung umgibt.

Warum passiert das genau bei Sportlern?

Die Hüfte ist kein einfaches Scharnier. Sie muss Stabilität und Beweglichkeit gleichzeitig bieten. Das Labrum verstärkt die Gelenkpfanne, hält den Hüftkopf fest und verteilt den Druck im Gelenk. Bei Sportarten mit viel Drehbewegung - besonders bei schnellen Richtungswechseln, tiefen Kniebeugen oder extremen Beinhebungen - entstehen enorme Kräfte. Der häufigste Auslöser ist eine anatomische Abnormalität namens Femoroacetabuläre Impingement (FAI). Dabei wächst der Knochen am Hüftkopf oder an der Pfanne ungewöhnlich aus, sodass er beim Bewegen gegen das Labrum stößt. Es ist wie ein Schraubenzieher, der sich im Gelenk verhakt und mit der Zeit den Knorpel abreibt. In bis zu 70 % der Fälle ist FAI der Hauptgrund für einen Labrumriss.

Wie wird ein Labrumriss wirklich diagnostiziert?

Viele Ärzte beginnen mit einer einfachen Röntgenaufnahme. Das ist sinnvoll - man sieht sofort, ob die Knochenform abnormal ist, ob die Pfanne zu flach (Dysplasie) oder zu tief ist. Aber Röntgen zeigt den Knorpel nicht. Für den Labrumriss braucht man etwas Genaueres. Standard-MRT hat nur eine Treffsicherheit von 35 bis 60 %. Das bedeutet: bei jedem zweiten oder dritten Patienten wird der Riss übersehen. Die Lösung? Magnetresonanz-Arthrographie (MRA). Dabei wird ein Kontrastmittel direkt ins Gelenk gespritzt, bevor das MRT gemacht wird. Das Kontrastmittel füllt den Riss wie ein Füllstoff und macht ihn sichtbar. Mit MRA erkennt man 90 bis 95 % aller Labrumrisse - fast perfekt.

Aber auch MRA ist kein Endpunkt. Die einzige Methode, die mit 98 % Sicherheit bestätigt, ob und wo der Riss ist, ist die Arthroskopie. Das ist eine minimale Operation, bei der ein winziger Kamera-Schlauch ins Gelenk eingeführt wird. Der Arzt sieht direkt, ob das Labrum gerissen, abgerieben oder losgelöst ist. Viele Ärzte führen die Arthroskopie gleich als Diagnose und Therapie in einem durch - wenn sie den Riss sehen, reparieren sie ihn sofort.

Was passiert, wenn man nichts tut?

Ein Labrumriss heilt nicht von allein. Der Knorpel hat kaum Blutversorgung, also keine Selbstheilungskraft. Wenn man weiter trainiert, wird der Riss größer. Das Gelenk wird instabiler. Der Knochen reibt direkt auf Knochen - und das führt zu Arthrose. Eine 15-Jahres-Studie zeigte: Unbehandelte Labrumrisse erhöhen das Risiko für Hüftarthrose um das 4,5-Fache innerhalb von zehn Jahren. Das ist kein kleines Risiko. Es ist ein Weg in eine chronische, schmerzhafte Erkrankung, die später eine Hüft-Endoprothese erfordert.

Konservative Behandlung: Geht das wirklich?

Nicht jeder braucht eine Operation. Bei leichten Rissen, bei älteren Sportlern oder bei denen, die nicht mehr hochintensiv trainieren, kann man es versuchen. Die ersten Schritte: Ruhe, keine Sportarten mit Drehbewegungen, keine tiefen Kniebeugen, kein Hochsprung. Dazu kommen Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen. Sie helfen nicht, den Riss zu heilen - aber sie reduzieren die Entzündung und den Schmerz.

Dann kommt die Physiotherapie. Aber hier ist der Haken: Nur 30 bis 40 % der Sportler werden mit Physio allein schmerzfrei. Einige Studien sagen, bis zu 65 % können es schaffen - aber das hängt stark davon ab, ob der Riss isoliert ist oder ob noch FAI oder Dysplasie vorhanden ist. Wenn die Knochenform falsch ist, kann Physio nur kurzfristig helfen. Eine Injektion mit Kortison ins Gelenk kann 70 bis 80 % der Patienten für drei bis sechs Monate lindern. Aber das ist kein Heilmittel - es ist eine Pause. Ein Zeitfenster, um zu entscheiden: Operation oder weiter warten?

Arthroskopische Kamera näht einen gerissenen Labrum mit leuchtenden Anker-Systemen.

Arthroskopie: Was passiert genau bei der Operation?

Wenn konservative Maßnahmen nach drei bis sechs Monaten nicht helfen, ist die Arthroskopie die Standardlösung. Der Eingriff dauert meist 60 bis 90 Minuten. Der Chirurg macht zwei bis drei kleine Schnitte, führt die Kamera ein und sieht den Schaden. Dann hat er zwei Optionen:

  • Debridement: Der gerissene Teil wird abgeschnitten und glattgeschliffen. Das ist schneller, aber nur bei kleinen, nicht belasteten Rissen sinnvoll.
  • Reparatur: Der Labrum wird mit winzigen Nähten und speziellen Anker-Systemen wieder an den Knochen angenäht. Das ist der bessere Weg - besonders für junge Sportler, die zurück ins Training wollen.
Die Anker sind heute oft aus bioabsorbierbarem Material - sie lösen sich im Körper auf, brauchen keine Entfernung. Smith & Nephew’s BioX ist seit Juni 2023 als erstes solches System von der FDA zugelassen. Zwei-Jahres-Daten zeigen eine Erfolgsquote von 89 % - besser als bei herkömmlichen Anker-Systemen.

Wie lange dauert die Genesung?

Das hängt von der Art der Operation ab. Bei einer einfachen Debridement kann ein Sportler nach drei bis vier Monaten wieder trainieren. Bei einer Reparatur braucht man fünf bis sechs Monate. Der Weg ist strukturiert:

  1. Wochen 1-6: Schonung, keine Belastung, nur leichte Bewegung. Mit Krücken, um das Gelenk zu schonen.
  2. Wochen 7-12: Aufbau der Muskulatur - besonders der Gesäßmuskeln und des Quadrizeps. Wichtig: Beide Beine müssen gleich stark werden. Mindestens 90 % Symmetrie.
  3. Wochen 13-20: Sport-spezifisches Training. Laufen, Richtungswechsel, Sprünge - aber langsam und kontrolliert.
  4. Wochen 21-26: Vollständige Rückkehr zum Sport. Vorher muss die Hüfte schmerzfrei in die Innendrehung (30 Grad) gehen können.
Viele Sportler, die die Physiotherapie konsequent machen, kehren zurück. Ein NHL-Spieler wie Ryan Nugent-Hopkins brauchte 5,5 Monate. Ein Marathonläufer auf Reddit kehrte nach 4,5 Monaten zurück. Aber es gibt auch Fälle, in denen die Operation nicht erfolgreich war - oft, weil die Ursache nicht behandelt wurde. Wenn eine Hüftdysplasie vorhanden ist und nur das Labrum repariert wird, liegt die Re-Verletzungsrate bei 60 bis 70 %. Das ist der größte Fehler in der Behandlung.

Was ist mit Hüftdysplasie?

Das ist der entscheidende Punkt. Wenn die Hüftpfanne zu flach ist - wie bei vielen jungen Frauen - dann ist ein Labrumriss fast immer ein Symptom, nicht die Ursache. Die Pfanne kann den Kopf nicht richtig halten. Das Labrum wird überlastet. Wenn man nur das Labrum repariert, ohne die Pfanne zu vergrößern oder zu vertiefen, dann wird es erneut reißen. Experten wie Dr. Andrea Stracciolini von Boston Children’s Hospital sagen klar: „Wenn jemand Dysplasie und Labrumriss hat - dann muss man beide Probleme gleichzeitig operieren.“

Läuferin springt mit geheilter Hüfte, hinter ihr ein Kontrast aus Verletzung und Heilung.

Was sind die Risiken?

Die Arthroskopie ist sicher - aber nicht risikofrei. Zu den häufigsten Komplikationen gehören:

  • Bestehende Schmerzen: 15-20 % der Patienten haben trotz Operation noch Schmerzen - oft weil die Ursache nicht erkannt wurde.
  • Heterotopische Ossifikation: 5-10 % bilden Knochen im Weichteilgewebe - das macht die Bewegung steif.
  • Nervenschädigung: Selten, aber möglich - 1-2 % der Fälle.
  • Revision: 8-12 % der Patienten brauchen nach fünf Jahren eine zweite Operation.
Ein großer Faktor: Der Chirurg. Hüftarthroskopie ist viel schwieriger als Kniearthroskopie. Man braucht 50 bis 100 Eingriffe, um sicher zu werden. Sportler, die bei Spezialzentren behandelt werden, berichten 92 % Zufriedenheit - bei allgemeinen Orthopäden nur 75 %.

Was kommt als Nächstes?

Die Forschung geht weiter. Neue 3D-MRT-Techniken liefern jetzt 97 % Genauigkeit - fast wie die Arthroskopie, aber ohne Operation. Regenerative Therapien wie PRP-Injektionen (Blutplättchen-reiches Plasma) zeigen Erfolg: 55 % der Patienten konnten mit einer Injektion und Physio die Operation vermeiden. Und die Technik wird immer weniger invasiv. Bis 2027 wird nach Prognosen 75 % aller Labrumreparaturen komplett arthroskopisch erfolgen - heute sind es 60 %.

Was können Sportler tun?

Wenn du Hüftschmerzen hast, die nicht weggehen:

  • Vermeide Sportarten mit Drehbewegungen - bis du eine Diagnose hast.
  • Frage nach einer MRA - nicht nach einer Standard-MRT. Die ist oft nicht ausreichend.
  • Wenn du Dysplasie hast, lass dich von einem Hüftspezialisten beraten - nicht von jedem Orthopäden.
  • Wenn du eine Operation brauchst, suche nach einem Zentrum mit hoher Fallzahl. Erfahrung zählt.
  • Physiotherapie ist kein Bonus - sie ist Pflicht. Ohne sie scheitern selbst die besten Operationen.
Ein Labrumriss ist kein Lebensende. Er ist eine Warnung - dass das Gelenk überlastet ist. Wer ihn früh erkennt, richtig behandelt und die Ursache angeht, kann zurück ins Spiel kommen. Ohne das zu tun, läuft man Gefahr, nicht nur den Knorpel, sondern auch das ganze Gelenk zu verlieren.

7 Kommentare

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    Thorsten Lux

    Januar 23, 2026 AT 09:39

    hüfte weh tut und dann plötzlich klickt? joa ich hab das auch mal nach dem kickboxen gehabt dachte es wär nur verspannt 😅

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    Max Mangalee

    Januar 23, 2026 AT 10:53

    deutsche sportmedizin ist immer noch die beste weltweit wer sonst macht so präzise arthroskopien wie wir hier? andere länder machen nur rum und zahlen dann milliarden für implantate die bei uns seit jahren standard sind

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    kerstin starzengruber

    Januar 25, 2026 AT 09:07

    und wer steckt dahinter? 😏 die pharmaindustrie will dass du operiert wirst weil sie dann mit anker und kontrastmittel krass verdienen 🤫💉 #labrumgate

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    Andreas Rosen

    Januar 26, 2026 AT 17:30

    ich hab als jugendlicher in der bundesliga das durchgemacht und nach der arthroskopie war ich wieder schneller als vorher. physio ist nicht optional das ist die basis. wer das ignoriert kriegt später die prothese

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    Max Veprinsky

    Januar 28, 2026 AT 00:41

    Die 90-95%-Trefferquote der MRA ist statistisch irreführend: Die Sensitivität wird in klinischen Studien mit selektierten Probanden erhöht, während in der Realität (z.B. in Allgemeinpraxen) die Rate auf 68% sinkt, da die Kontrastinjektion oft ungenau oder überdosiert erfolgt - und das wird systematisch unterschlagen. Zudem: Wer garantiert, dass die bioabsorbierbaren Anker nicht mikroplastikartige Partikel freisetzen? Die Langzeitdaten fehlen. Die FDA-Zulassung ist kein Beweis für Sicherheit - sondern für wirtschaftliche Dringlichkeit.

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    Carolin-Anna Baur

    Januar 28, 2026 AT 16:02

    die meisten sportler denken sie sind unverwundbar bis sie plötzlich nicht mehr laufen können. dann jammern sie über schmerzen aber haben jahre lang ignoriert dass sie die hüfte überlasten. kein wunder dass heute jeder zweite eine prothese braucht

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    Carlos Neujahr

    Januar 29, 2026 AT 04:49

    Wenn du einen Labrumriss hast, ist die wichtigste Regel: Nicht nur das Symptom behandeln, sondern die Ursache. FAI und Dysplasie sind keine Nebenbefunde - sie sind die Wurzel. Viele Chirurgen reparieren das Labrum und vergessen die Knochenform. Das ist wie ein Autoreifen zu flicken, aber die Felge weiterhin zu verbiegen. Die 60–70% Re-Verletzungsrate bei unbehandelter Dysplasie ist kein Zufall - das ist medizinisches Versagen. Suche einen Spezialisten, der MRT und CT in Kombination auswertet. Und mach Physio - nicht als Bonus, sondern als Lebensstil. Die Hüfte ist kein Ersatzteil - sie ist dein Fundament.

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