Generika vs. Markenbiologika: Kostenvergleich 2026

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Warum Biologika so teuer sind - und was Biosimilars ändern

Ein Patient mit Rheuma zahlt im Jahr bis zu 80.000 Euro für sein Medikament. Das ist kein Ausnahmefall. Biologika, die komplexe Eiweißmoleküle aus lebenden Zellen enthalten, machen nur 5 % aller verschriebenen Medikamente aus - aber mehr als die Hälfte aller Ausgaben für Arzneimittel in den USA. In Deutschland und Europa ist die Lage ähnlich. Diese Medikamente retten Leben - aber sie belasten das Gesundheitssystem massiv. Die Lösung? Biosimilars. Das sind keine billigen Kopien, sondern hochsimilar produzierte Alternativen zu Markenbiologika. Und sie kosten bis zu 80 % weniger.

Was ist der Unterschied zwischen Generika und Biosimilars?

Wenn du an ein Generikum denkst, denkst du an eine kleine weiße Tablette, die exakt wie das Original wirkt. Das ist bei Chemikalien einfach: Wenn du die gleiche Molekülstruktur herstellst, bekommst du das gleiche Ergebnis. Bei Biologika ist das unmöglich. Sie bestehen aus lebenden Zellen - oft aus Hamster-Nieren- oder Hefezellen -, die menschliche Proteine produzieren. Selbst wenn zwei Unternehmen den gleichen Bauplan verwenden, entstehen leicht unterschiedliche Moleküle. Deshalb nennt man sie nicht Generika, sondern Biosimilars. Sie sind nicht identisch, aber sie sind so ähnlich, dass sie die gleiche Wirkung haben. Die FDA und die EMA prüfen sie mit extrem strengen Tests: Wirksamkeit, Sicherheit, Nebenwirkungen - alles muss mit dem Original übereinstimmen. Es gibt keine Kompromisse.

Kostenvergleich: Wie viel spart man wirklich?

Im ersten Halbjahr 2025 lag der durchschnittliche Preis für einen 30-Tage-Vorrat eines Markenbiologikums bei 2.104 Euro. Ein Biosimilar kostete dagegen nur 919 Euro. Das ist eine Ersparnis von 56,3 %. Bei einigen Medikamenten ist die Differenz noch größer. Humira, das weltweit meistverkaufte Biologikum, kostete vor der Einführung von Biosimilars etwa 80.000 Euro pro Patient und Jahr. Nachdem die ersten Biosimilars 2023 auf den Markt kamen, sank der Preis um 80 %. Sandoz’ Hyrimoz, ein Humira-Biosimilar, hat bereits 14 % des Marktes erobert. Patienten zahlen heute 23 % weniger aus eigener Tasche - und das bei identischer Wirksamkeit.

Die Einsparungen summieren sich: Allein im Jahr 2024 haben Biosimilars in den USA 20 Milliarden Dollar an Gesundheitskosten eingespart. Seit 2015 sind es insgesamt über 56 Milliarden Dollar. Das ist mehr als das Budget vieler kleiner Länder. Und das, obwohl nur 76 Biosimilars in den USA zugelassen sind - bei etwa 600 marktfähigen Biologika. Das Potenzial ist riesig. Wenn sich die Marktdurchdringung von aktuell 15-20 % bis 2030 auf 35-40 % erhöht, wie von Evaluate Pharma prognostiziert, könnten jährlich weitere 125 Milliarden Dollar eingespart werden.

Ein Patient hält eine Biosimilar-Rezeptur, während teure Patente zerbrechen und eine Brücke der Hoffnung entsteht.

Warum werden Biosimilars nicht schneller eingesetzt?

Die Antwort ist einfach: Weil es sich nicht lohnt. Die großen Pharmaunternehmen haben ein System entwickelt, das Biosimilars absichtlich verzögert. Sie bauen sogenannte Patentdickichte auf - das sind Dutzende, manchmal Hunderte von Patenten, die sich über Jahre hinweg stapeln. Ein Biosimilar-Hersteller muss jedes einzelne durchkämpfen. Das kostet Zeit und Geld. Ein Biosimilar zu entwickeln kostet zwischen 100 und 250 Millionen Euro - fast zehnmal mehr als ein klassisches Generikum. Und das, obwohl die klinischen Studien oft kürzer sind.

Dann kommt der zweite Hinderungsgrund: Die Pharmaverbände (PBMs). Sie verhandeln Rabatte mit den Markenherstellern. Wenn ein Biologikum 80.000 Euro kostet, bekommt der PBM vielleicht 30 % Rabatt - also 24.000 Euro. Wenn ein Biosimilar 16.000 Euro kostet, bekommt der PBM nur noch 4.800 Euro Rabatt. Also: Der PBM verdient weniger, wenn ein billigeres Medikament verkauft wird. Deshalb bevorzugen sie oft das teurere Original - selbst wenn es keine medizinischen Vorteile hat. Das ist kein Fehler, es ist ein Geschäftsmodell.

Was ändert sich 2026?

Die Regierungen beginnen, dagegen anzukämpfen. Die FDA hat im September 2025 neue Leitlinien veröffentlicht, die die Zulassung von Biosimilars beschleunigen sollen. Sie wollen unnötige klinische Studien abschaffen und die Anforderungen an die Herstellungsprozesse rationalisieren. In Deutschland und der EU läuft ein ähnlicher Prozess. Die EU-Kommission hat im Herbst 2025 eine neue Richtlinie vorgeschlagen, die Apotheken und Ärzten erlaubt, Biosimilars automatisch zu verschreiben, wenn der Patient nicht ausdrücklich das Original verlangt. Das nennt man „substitution“. In den USA ist das noch nicht standardisiert - aber in vielen Bundesstaaten wird es diskutiert.

Auch die Preispolitik ändert sich. Das Inflation Reduction Act von 2022 hat die Preise für einige Biologika gedeckelt - aber es hat auch Unsicherheit geschaffen. Hersteller wissen nicht, ob sie ihre Preise senken oder halten sollen. Doch die Signale sind klar: Wer weiterhin überzogene Preise verlangt, wird isoliert. Die öffentliche Meinung, die Versicherungen, die Politik - alle fordern Transparenz und Wettbewerb.

Was bedeutet das für Patienten?

Wenn du ein Biologikum brauchst, frag deinen Arzt: Gibt es ein Biosimilar? Wenn ja, ist es genauso sicher und wirksam - und du sparst Tausende Euro pro Jahr. Du musst nicht auf Qualität verzichten. Du musst nur nachfragen. Viele Ärzte wissen nicht, dass Biosimilars verfügbar sind - oder sie denken, sie seien weniger wirksam. Das ist ein Mythos. Die Daten zeigen das Gegenteil. Eine Studie der Harvard Medical School mit über 12.000 Patienten zeigte: Kein signifikanter Unterschied in Nebenwirkungen oder Therapieerfolg zwischen Humira und seinen Biosimilars nach drei Jahren.

Wenn dein Versicherer dir ein Biosimilar vorschlägt, akzeptiere es. Wenn er dir das Original aufdrängt, frage nach dem Grund. Oft ist es nur eine veraltete Vorgabe. Du hast das Recht, nach Alternativen zu fragen. Und du hast das Recht, zu wissen, wie viel du sparst.

Medizinische Helden beschwören einen Schild aus Biosimilars, um einen Geldmonster aus Patenten zu besiegen.

Was kommt als Nächstes?

Die nächste Welle kommt mit Insulin, EPO, Monoklonalen Antikörpern und anderen Biologika, deren Patente in den nächsten fünf Jahren auslaufen. Es gibt bereits mehr als 50 Biosimilars in der Entwicklung - und die Zahl steigt. Die Hersteller lernen: Es lohnt sich. Die Gewinnmargen sind kleiner, aber die Absatzmengen explodieren. Ein Biosimilar, das 10 % des Marktes erobert, bringt mehr Umsatz als ein Markenprodukt, das nur 5 % behält.

Die Zukunft gehört nicht den teuersten Medikamenten, sondern den zugänglichsten. Biosimilars sind nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit - sie sind eine medizinische Chance. Sie machen lebenswichtige Therapien für Millionen zugänglich, die sich sonst keine Behandlung leisten könnten. Und sie zwingen die Industrie, ihre Preise zu rechtfertigen. Das ist kein Angriff auf Innovation - das ist die Voraussetzung dafür, dass Innovation weiterhin bezahlbar bleibt.

Wie du als Patient profitierst

  • Frage deinen Arzt: „Gibt es ein Biosimilar für mein Medikament?“
  • Prüfe deine Versicherungsbedingungen: Werden Biosimilars erstattet? Oder gibt es Rabatte?
  • Verstehe: Biosimilar = nicht billiger, sondern fairer. Die Wirksamkeit ist gleich.
  • Wenn dein Apotheker ein Biosimilar anbietet, akzeptiere es - es ist nicht „zweite Wahl“.
  • Teile deine Erfahrung: Je mehr Patienten nachfragen, desto schneller ändert sich das System.

Was passiert, wenn du nichts tust?

Dann zahlst du weiterhin 80.000 Euro pro Jahr für ein Medikament, das in drei Jahren für 16.000 Euro erhältlich sein wird. Du bleibst in einem System, das dich ausbeutet, weil du nicht weißt, dass es eine bessere Option gibt. Die Technologie ist da. Die Wissenschaft ist da. Die Alternativen sind da. Es fehlt nur die Nachfrage. Und die kannst du erzeugen - mit einer einzigen Frage.

Sind Biosimilars genauso sicher wie Markenbiologika?

Ja. Die FDA, die EMA und andere globale Aufsichtsbehörden verlangen, dass Biosimilars in Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität exakt mit dem Original übereinstimmen. Sie müssen in klinischen Studien mit Tausenden von Patienten getestet werden - oft sogar strenger als neue Medikamente. Kein Biosimilar wird zugelassen, wenn es auch nur geringfügig weniger sicher oder wirksam ist. Tausende von Patienten weltweit nehmen sie seit über zehn Jahren ein - ohne erhöhtes Risiko.

Warum werden Biosimilars nicht von allen Ärzten verschrieben?

Viele Ärzte wurden nicht ausreichend über Biosimilars informiert. Manche denken, sie seien „nachgeahmt“ oder „mindere Qualität“. Das ist falsch. Andere haben langjährige Beziehungen zu Pharmaunternehmen oder erhalten Informationen, die das Original bevorzugen. Auch die Apotheken- und Versicherungsstrukturen fördern oft das teurere Medikament. Es ist kein medizinisches Problem - es ist ein Informations- und Systemproblem.

Kann ich von einem Biologikum auf ein Biosimilar wechseln?

Ja - und das ist oft sogar empfehlenswert. Studien zeigen, dass der Wechsel von Humira auf ein Biosimilar keine negativen Auswirkungen hat. Viele Patienten berichten sogar von weniger Nebenwirkungen, weil sie besser vertragen werden. Dein Arzt muss dich darüber aufklären, aber der Wechsel ist medizinisch unbedenklich. In einigen Ländern wie Schweden oder Dänemark ist der Wechsel sogar Standardpraxis.

Wie viel kostet ein Biosimilar in Deutschland?

In Deutschland liegt der Preis für Biosimilars im Durchschnitt 50-70 % unter dem des Originals. Ein Biosimilar zu Humira kostet etwa 18.000-22.000 Euro pro Jahr, während das Original noch 75.000-80.000 Euro kostet. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten beide - aber der Patient zahlt nur den Selbstbehalt, der bei beiden gleich ist. Das bedeutet: Du sparst direkt die Differenz.

Warum gibt es so wenige Biosimilars, wenn sie so viel sparen?

Weil die Herstellung komplex und teuer ist - bis zu 250 Millionen Euro pro Produkt. Außerdem blockieren Markenhersteller den Markt mit Patenten, Rabattverträgen mit Versicherern und Lobbyarbeit. Nur wenige Unternehmen wagen sich an diese Herausforderung. Aber die Zahl steigt: 2025 gab es 76 zugelassene Biosimilars in den USA - 2020 waren es erst 28. Die Entwicklung beschleunigt sich.

2 Kommentare

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    Daniel Cash Kristiansen

    Februar 2, 2026 AT 22:08

    Die Diskussion um Biosimilars ist ein klassisches Beispiel für regulatorisches Versagen und kapitalistische Verzerrung. Die EMA und FDA haben zwar strenge Zulassungsprotokolle, aber die wirtschaftlichen Anreize sind absichtlich so gestaltet, dass Innovation nicht zugänglich wird. Patentdickichte sind keine rechtlichen Schutzmechanismen – sie sind kartellrechtliche Waffen. Die 250 Millionen Euro Entwicklungs kosten sind ein künstliches Barrieren-Modell, das von Big Pharma orchestriert wird, um Monopole zu verlängern. Und die PBMs? Die sind keine neutralen Vermittler – sie sind profitmaximierende Akteure, die das Gesundheitssystem als Währungsraum betrachten. Dies ist kein Marktversagen. Dies ist Systemversagen.

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    linn Bjorvatn

    Februar 4, 2026 AT 00:04

    Ich finde es bedenklich, wie oft die medizinische Gemeinschaft Biosimilars als „gleichwertig“ bezeichnet, ohne die mikroskopischen Variabilitäten zu erwähnen. Die biologische Komplexität von Protein-Faltungen, Glykosylierungsmustern und posttranslationellen Modifikationen führt zu heterogenen Immunantworten, selbst bei zugelassenen Produkten. Die klinischen Studien sind zwar statistisch signifikant, aber die Langzeitdaten über 5+ Jahre fehlen noch bei vielen Produkten. Wir reden hier nicht über Paracetamol-Generika – wir reden über lebende Moleküle, deren Stabilität von Zelllinie, Bioreaktor und Purifizierungsprozess abhängt. Vorsicht ist kein Misstrauen – es ist evidenzbasierte Medizin.

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