Wenn Sie jeden Monat für Ihre Medikamente Hunderte von Franken bezahlen, fragen Sie sich vielleicht: Generika sind wirklich die gleiche Sache? Die Antwort ist einfach: Ja. Und sie sparen Ihnen oft bis zu 90 % der Kosten. Kein Wunder, dass in den USA 9 von 10 verschriebenen Medikamenten heute Generika sind. In der Schweiz ist der Anteil ähnlich hoch - und die Einsparungen sind genauso deutlich.
Was genau sind Generika?
Generika sind Kopien von Originalmedikamenten, die nach Ablauf des Patentsschutzes auf den Markt kommen. Sie enthalten denselben Wirkstoff, in derselben Menge und in derselben Form wie das Markenprodukt. Ob Sie jetzt ein Tablet gegen Bluthochdruck, Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion nehmen - wenn es ein Generikum gibt, dann wirkt es genauso. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic und die US-amerikanische FDA verlangen strenge Nachweise: Das Generikum muss im Körper genauso aufgenommen werden wie das Original. Die Abweichung darf maximal 20 % betragen - und selbst das ist klinisch irrelevant.
Was sich unterscheidet? Nur die Farbe, die Form, der Geschmack oder die Zusatzstoffe. Kein Wunder, dass manche Patienten sagen: „Das sieht anders aus.“ Aber das ist kein Hinweis auf eine andere Wirkung. Es ist wie ein anderes Design bei einem Auto: Der Motor bleibt derselbe.
Wie viel sparen Sie wirklich?
Die Zahlen sprechen für sich. Ein Medikament, das vor 10 Jahren 1.400 Franken pro Monat kostete, kann heute als Generikum für unter 60 Franken erhältlich sein. Das ist eine Ersparnis von über 95 %. Ein weiteres Beispiel: Ein Medikament, das früher 88 Franken pro Milliliter kostete, liegt heute bei weniger als 10 Franken - eine Reduktion von über 90 %.
Im Jahr 2023 sparten Patienten in den USA insgesamt über 2,2 Billionen US-Dollar durch Generika. In der Schweiz sind die Zahlen nicht offiziell veröffentlicht, aber die Erfahrung in Apotheken zeigt: Ein 30-Tage-Vorrat an Levothyroxin (Schilddrüsenmedikament) kostet als Generikum oft 15 Franken - das Original lag vor Jahren bei über 100 Franken. Für chronisch kranke Menschen, die täglich Medikamente brauchen, bedeutet das Hunderte von Franken pro Jahr - manchmal mehr als die Miete.
Warum sind Generika so viel günstiger?
Weil sie keine teuren klinischen Studien neu durchführen müssen. Die Hersteller müssen nur nachweisen, dass ihr Produkt genauso wirkt wie das Original. Das spart Millionen von Franken Entwicklungskosten. Die Forschung und Entwicklung des Originalmedikaments wurde bereits bezahlt - meist durch den Pharmakonzern, der das Patent hatte. Der Generika-Hersteller nutzt diese Arbeit einfach nach.
Und es gibt mehr Wettbewerb. In der Schweiz gibt es mittlerweile über 50 Hersteller, die das gleiche Medikament anbieten. Je mehr Anbieter, desto niedriger der Preis. Einige Apotheken, wie beispielsweise Costco, bieten bestimmte Generika sogar unter 20 Franken an - oft günstiger als die Selbstbehaltspauschale Ihrer Krankenkasse.
Generika vs. Original: Gibt es Unterschiede?
Einige Patienten berichten: „Ich fühle mich mit dem Original besser.“ Doch wissenschaftlich lässt sich das nicht belegen. In über 99 % der Fälle gibt es keinen Unterschied in der Wirksamkeit oder Nebenwirkungen. Wenn jemand sagt, das Generikum wirke nicht so gut, liegt es meist an einer anderen Ursache: Der Körper hat sich an die Farbe oder Form des Originals gewöhnt - ein psychologischer Effekt. Oder die Zusatzstoffe (wie Farbstoffe oder Füllstoffe) sind anders - und bei sehr seltenen Allergien kann das zu Unverträglichkeiten führen.
Es gibt Ausnahmen: Bei Medikamenten mit engem Wirkungsspektrum - wie Levothyroxin, Warfarin oder bestimmten Epilepsie-Medikamenten - wird manchmal vorsichtiger umgestellt. Hier wird oft empfohlen, bei der gleichen Marke zu bleiben, weil kleine Schwankungen in der Aufnahme theoretisch eine Wirkungsänderung auslösen könnten. Aber auch das ist kein Grund, auf Generika zu verzichten. Viele Patienten wechseln erfolgreich und bleiben stabil - besonders wenn der Wechsel von einem Arzt oder Apotheker begleitet wird.
Wie bekommen Sie Generika?
In der Schweiz darf die Apotheke automatisch ein Generikum abgeben, wenn es verfügbar ist - es sei denn, der Arzt hat explizit „nicht substituierbar“ vermerkt. Sie brauchen nichts zu tun. Aber wenn Sie wissen wollen, was Sie sparen könnten, fragen Sie einfach: „Gibt es ein billigeres Generikum?“
Einige Apotheken bieten sogar Preisvergleiche an. Oder Sie nutzen Apps wie Medikamentenpreischeck oder fragen in der Apotheke nach dem „Barpreis“ - oft ist der günstiger als der mit Krankenkassenabrechnung. Besonders bei chronischen Erkrankungen lohnt es sich, einmal im Jahr zu prüfen, ob Ihr Medikament noch das teuerste ist.
Was tun, wenn das Generikum nicht wirkt?
Wenn Sie nach dem Wechsel auf ein Generikum merken, dass etwas nicht stimmt - Müdigkeit, Herzrasen, Kopfschmerzen - dann wenden Sie sich an Ihren Arzt. Aber nicht gleich zurück zum Original. Erst prüfen: Ist die Dosierung richtig? Haben Sie das Medikament zu einem anderen Zeitpunkt eingenommen? Hat sich Ihr Körper an die neue Form gewöhnt? Manchmal hilft schon eine kleine Anpassung.
Wenn der Arzt bestätigt, dass es an der Substanz liegt (was extrem selten ist), kann er ein „nicht substituierbar“ vermerken. Aber das ist die Ausnahme - nicht die Regel.
Warum nutzen nicht alle Generika?
Viele wissen einfach nicht, dass es sie gibt. Andere haben Angst, „billiger“ bedeute „schlechter“. Und manche Apotheker geben nicht genug Informationen weiter. Dabei ist die Wahrheit: Generika sind nicht nur günstig - sie sind sicher, geprüft und oft die einzige Möglichkeit, Medikamente langfristig bezahlen zu können.
Ein Patient aus Zürich, der seit 15 Jahren ein Herzmedikament nimmt, spart heute 320 Franken pro Monat, weil er auf Generika umgestiegen ist. „Ich hätte nie gedacht, dass ein Tablet so viel Geld sparen kann“, sagt er. „Jetzt kann ich mir auch noch eine Physiotherapie leisten.“
Was kommt als Nächstes?
Bis 2027 werden noch mehr Patente ablaufen - besonders für teure Medikamente gegen Krebs, Rheuma oder Diabetes. Das bedeutet: Noch mehr Generika werden verfügbar. Auch Biosimilars - die Generika-Versionen von biologischen Medikamenten - werden immer häufiger. Sie sind komplexer, aber auch sie werden die Kosten senken. Die Schweiz ist gut vorbereitet: Die Arzneimittelbehörde fördert den Wettbewerb und prüft neue Generika schneller als früher.
Der Trend ist klar: Wer Medikamente braucht, sollte Generika nutzen. Es ist nicht nur klug - es ist verantwortungsvoll. Jeder Franken, den Sie sparen, ist ein Franken, den Sie für andere Gesundheitskosten nutzen können - oder einfach für sich selbst.
Sind Generika genauso wirksam wie Markenmedikamente?
Ja. Generika enthalten denselben Wirkstoff in derselben Menge und wirken genauso im Körper. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic und die FDA verlangen strenge Nachweise: Das Generikum muss bioäquivalent sein - das heißt, es wird im Körper in der gleichen Menge und Geschwindigkeit aufgenommen wie das Original. Tausende Studien bestätigen: Es gibt keinen klinisch relevanten Unterschied in der Wirksamkeit oder Sicherheit.
Warum kosten Generika so viel weniger?
Weil die Hersteller nicht erneut teure klinische Studien durchführen müssen. Die Sicherheit und Wirksamkeit des Wirkstoffs wurde bereits vom Originalhersteller nachgewiesen. Generika-Hersteller müssen nur zeigen, dass ihr Produkt gleich aufgenommen wird. Das spart Millionen von Franken - und das spiegelt sich im Preis wider. Der Wettbewerb zwischen vielen Herstellern senkt die Preise weiter.
Kann ich jedes Medikament durch ein Generikum ersetzen?
Fast jedes. Die meisten Medikamente haben mittlerweile ein Generikum. Ausnahmen sind sehr komplexe Biologika - aber auch hier gibt es zunehmend Biosimilars. Bei Medikamenten mit engem Wirkungsspektrum (wie Levothyroxin oder Warfarin) wird manchmal vorsichtig umgestellt, aber das ist keine Regel. Viele Patienten wechseln erfolgreich und bleiben stabil. Ihr Arzt oder Apotheker kann Ihnen sagen, ob ein Wechsel sinnvoll ist.
Warum wird mir manchmal das Originalmedikament verschrieben?
Manchmal ist das nur Gewohnheit - oder der Arzt kennt das Generikum nicht. Aber Sie können immer fragen: „Gibt es ein billigeres Generikum?“ In der Schweiz darf die Apotheke automatisch substituieren, es sei denn, der Arzt hat „nicht substituierbar“ vermerkt. Sie haben das Recht, auf ein Generikum zu bestehen - und oft sparen Sie damit Hunderte von Franken pro Jahr.
Wo finde ich die günstigsten Generika?
Viele Apotheken, besonders grosse Ketten wie Costco oder spezielle Online-Apotheken, bieten Generika zu sehr niedrigen Barpreisen an - oft unter 20 Franken für einen 30-Tage-Vorrat. Manchmal ist der Barpreis günstiger als die Selbstbehaltspauschale Ihrer Krankenkasse. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach dem „Barpreis“ oder nutzen Sie Preisvergleichs-Apps. Ein jährlicher Check lohnt sich besonders bei chronischen Medikamenten.
Geschrieben von Fenja Berwald
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